Wie findest du diesen Fakt?
Du stehst am Geldautomaten und wählst die Sprache: Deutsch, Englisch, Italienisch … oder Latein. Klingt wie ein Witz aus dem Lateinunterricht, ist im Vatikan aber Realität.
Bitte Karte einführen, auf Latein
Die Vatikanbank, offiziell „Istituto per le Opere Religiose“, betreibt im Vatikan Geldautomaten mit lateinischer Menüführung. Schon 2003 berichtete das Magazin „Wanted in Rome“ darüber. Der erste Bildschirm begrüßt dich mit „Inserito scidulam quaeso ut faciundam cognoscas rationem“, sinngemäß: Bitte Karte einführen, um den Vorgang zu starten. Abheben kann dort laut Wanted in Rome allerdings nur, wer ein Konto bei der Vatikanbank hat.
Warum ausgerechnet Latein? Zum einen ist es seit Jahrhunderten die Sprache der katholischen Kirche. Zum anderen leben und arbeiten im Vatikan Menschen aus vielen verschiedenen Ländern. Latein ist eine Sprache, die viele von ihnen zumindest teilen.
Latein für Flipper und Stau
Aber wie sagt man auf Latein Dinge, die die alten Römer nie gesehen haben? Dafür gibt es ein eigenes Wörterbuch: das „Lexicon Recentis Latinitatis“, ein Lexikon des neueren Lateins. Es erschien erstmals 1992, erstellt von Fachleuten im Auftrag des Vatikans, und war ursprünglich für päpstliche Texte gedacht. Es gibt sogar eine deutsche Ausgabe namens „Neues Latein-Lexikon“.
Ein paar Kostproben, die Futility Closet daraus zusammengetragen hat:
- Waschmaschine: „machina linteorum lavatoria“
- Kühlschrank: „cella frigorifera“
- Stau: „fluxus interclusio“
- Bestseller: „liber maxime divenditus“
- Flipperautomat: „sphaeriludium electricum nomismate actum“, also etwa ein „elektrisches Kugelspiel, das mit einer Münze betrieben wird“
Selbst für „flirten“ gibt es eine Übersetzung: „lusorie amare“, ungefähr „spielerisch lieben“.
Tot, aber quicklebendig
Latein gilt als tote Sprache, weil sie niemand mehr als Muttersprache lernt. Im Vatikan wird sie trotzdem weiter gepflegt und um neue Wörter ergänzt. Das Lexikon wurde mehrfach neu aufgelegt, die bisher jüngste Ausgabe erschien 2020.
Geld abheben wie Cicero, nur eben mit PIN.