Wie findest du diesen Fakt?
Vanille steckt in Eis, Pudding, Keksen, Parfum. Die Schoten wachsen an einer Orchidee, und die macht es einem nicht leicht. Dass Vanille heute auf der ganzen Welt angebaut wird, verdanken wir einem Kind. Der 12-jährige Edmond Albius entdeckte 1841, wie man Vanilleblüten von Hand bestäubt.
Eine Blüte mit eingebauter Sperre
Die Gewürzvanille (Vanilla planifolia) stammt aus dem Südosten Mexikos. Laut Smithsonian Gardens öffnet sich jede Blüte für weniger als einen Tag: vor Sonnenaufgang auf, mittags zu, danach welkt sie. Selbst bestäuben kann sie sich nicht, denn ein Häutchen, das Rostellum, trennt die männlichen von den weiblichen Teilen.
In Mexiko übernehmen das bestimmte Bienen. Europäische Kolonialmächte nahmen die Pflanze zwar mit in andere tropische Regionen, aber ohne die passenden Bestäuber gab es dort kaum Schoten. Laut Nautilus blieb Mexiko dadurch lange praktisch der einzige Lieferant.
Der Handgriff, der alles änderte
Edmond lebte versklavt auf Réunion, einer Insel im Indischen Ozean. Mit 12 Jahren fand er heraus, wie es geht: Mit einem dünnen Stöckchen hebt man das Häutchen an und drückt die männlichen und weiblichen Teile der Blüte aneinander. Das dauert nur Sekunden und wird bis heute weltweit genauso gemacht.
Laut Nautilus verteidigte sein Besitzer Ferréol Bellier-Beaumont die Entdeckung öffentlich gegen Botaniker, die sie sich selbst zuschreiben wollten. Bezahlt wurde Edmond dafür laut Smithsonian Gardens nie. Frei wurde er erst 1848, als Frankreich die Sklaverei abschaffte, und erst dann bekam er auch einen Nachnamen. Heute erinnern in einer der ältesten Städte Réunions eine Straße, eine Schule und eine Bronzestatue an ihn.
Laut Smithsonian Gardens stammen heute rund 80 Prozent der natürlichen Vanille weltweit aus Madagaskar, dem Nachbarland von Réunion.
Warum Vanille so teuer ist
Jede Blüte muss von Hand bestäubt werden, und danach brauchen die Schoten sechs bis neun Monate, bis sie geerntet werden können. Kein Wunder, dass Vanille zu den teuersten Gewürzen der Welt gehört.
Hinter dem Geschmack, den die meisten für „langweilig“ halten, steckt also die Idee eines Kindes, die bis heute keiner verbessert hat.