Wie findest du diesen Fakt?
Wie misst man, wie sehr eine Chili brennt? 1912 lautete die Antwort: Man lässt Leute probieren. Und der Anlass war kein Abendessen, sondern eine Wärmesalbe.
Ein Apotheker mit brennendem Problem
Wilbur Scoville war Apotheker, geboren 1865 in Bridgeport, Connecticut. 1907 zog er nach Detroit, um für die Pharmafirma Parke, Davis & Company zu arbeiten. Laut Fiery Foods Central bekam er dort eine Wärmesalbe namens Heet zugeteilt, die mit Chilis hergestellt wurde. Seine Aufgabe: den Chili-Anteil so zu standardisieren, dass die Salbe nicht auf der Haut brennt.
Dafür brauchte er eine Methode, um die Schärfe der Schoten zu messen. 1912 stellte er seine Lösung auf der Jahrestagung der American Pharmaceutical Association in Denver vor.
Zungen als Messgerät
Die Methode heißt organoleptischer Test und war simpel. Ein Chili-Extrakt wurde mit Zuckerwasser gemischt und einer Gruppe von Testpersonen gereicht. Die Mischung wurde immer weiter verdünnt, bis die Schärfe gerade noch wahrnehmbar war, so beschreibt es die Hochschule MCPHS. Eine Beschreibung von 1920, die Fiery Foods Central zitiert, wird konkret: 0,1 Gramm gemahlenen Capsicum über Nacht in 100 Milliliter Alkohol einlegen und diese Tinktur dann in Wasser mit 10 Prozent Zucker geben.
Wie stark verdünnt werden musste, ergab den Wert: die Scoville-Einheit. Eine Gemüsepaprika liegt bei 0. Laut der Wellcome Collection kommen Jalapeños auf 3.500 bis 8.000. Pepper X liegt laut MCPHS bei 2,69 Millionen.
Von Zungen zu Maschinen
Heute hat die Chromatografie die Testrunde abgelöst, schreibt Fiery Foods Central. Der Name ist trotzdem geblieben: Chili-Schärfe wird weiter in Scoville-Einheiten angegeben, und der Mann dahinter ist fast schon eine Legende.
Bonusfakt: Laut MCPHS nannte die New York Times Scoville den „Papst der Chilis“ („Pope of Peppers“), und 2016 bekam er zu seinem 151. Geburtstag ein Google Doodle.
Jede Schärfe-Rangliste, die du je gesehen hast, begann also als Qualitätskontrolle für eine Wärmesalbe.