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Bei der Einheit denkt man eher an West-Firmen, die Betriebe im Osten übernehmen. Beim Sekt lief es andersherum. 2002 übernahm Rotkäppchen aus Freyburg an der Unstrut die West-Marken „Mumm“, „Jules Mumm“ und „MM Extra“.
Ein Name aus einem verlorenen Prozess
Die Kellerei ist viel älter als die DDR. Laut Deutschem Patent- und Markenamt gründeten Moritz und Julius Kloss mit Carl Foerster 1856 in Freyburg eine Weinhandlung, ab 1858 machten sie Sekt. Den verkauften sie zuerst unter französisch klingenden Namen wie „Monopol“.
Dann verloren sie einen Prozess gegen das Champagnerhaus Walbaum-Heidsieck. Ein neuer Name musste her. Die Firma nahm einfach die rote Kapsel ihrer Flaschen und machte daraus „Rotkäppchen“, als Anspielung auf die Marke „Red Top“ der Konkurrenz. Angemeldet wurde der Name am 20. Februar 1895, und die Marke gilt bis heute.
Erst der Absturz, dann der Aufstieg
In der DDR war die Kellerei ein Volkseigener Betrieb und lief gut: 1987 wurden laut DPMA 15 Millionen Flaschen verkauft. Nach 1989 brach der Absatz zusammen.
Doch die Erholung übertraf laut DPMA alle Erwartungen: 1992 waren es schon wieder 5,7 Millionen Flaschen, 1993 wurde die Firma privatisiert. Ab 2001 war Rotkäppchen erst der meistverkaufte Sekt in den neuen Bundesländern und dann in ganz Deutschland.
Spannend dabei: Laut einem Tagesspiegel-Bericht von 2001 hatte die Marke im Osten mehr als 50 Prozent Marktanteil, im Westen aber nur 2,3 Prozent. Die Lösung war, einfach bekannte West-Marken dazuzukaufen. Mumm und MM gehörten bis dahin zu Seagram Deutschland.
Nach der Übernahme von Mumm war Rotkäppchen laut DPMA der größte Sekthersteller Deutschlands, später kamen noch Marken wie Geldermann und Eckes dazu.
Der kleine Sekt mit der roten Kappe hat sich also nicht nur gehalten, sondern gleich die Konkurrenz eingesammelt.