Wie findest du diesen Fakt?
Kürbisse, Hexenhüte, Kinder mit „Süßes oder Saures“ an der Tür: Für viele fühlt sich Halloween an, als hätte es das schon immer gegeben. In Deutschland ist das Fest aber erst gut 30 Jahre richtig präsent. Und dass es so groß wurde, hat ausgerechnet mit dem Karneval zu tun, der 1991 ausfiel.
Der Winter ohne Rosenmontag
Mitte Januar 1991 begann der Golfkrieg. Laut der Zeitung inFranken war damit schnell klar: Karneval und Fasching fallen in diesem Jahr aus. Viele Feiern und Umzüge wurden abgesagt, auch der Kölner Rosenmontagszug. Dabei lockt allein der Kölner Karneval laut The Local an den Haupttagen rund 1,2 Millionen Menschen an.
Für die Kostümbranche war das ein Problem. Laut PR-Berater Dieter Tschorn bedeutet jede Woche weniger Karnevalssaison rund fünf Prozent weniger Umsatz, so zitiert ihn The Local. Ein ganzer ausgefallener Karneval tat entsprechend weh.
Ein Fest aus der Pressemitteilung
Die Branche suchte also einen zweiten Anlass zum Verkleiden. Nach Angaben der Abendzeitung München war die Karnevalsabsage 1991 der Auslöser für den Halloween-Rummel: Die Karnevalsbranche begann, Halloween zu vermarkten, um die verlorenen Umsätze aufzufangen. Die Fachgruppe Karneval im Verband der Spielwarenindustrie rechnete laut der Zeitung mit Millionenumsätzen. Tschorn, PR-Berater der Branche, nennt sich laut deutschland.de selbst den „Vater des deutschen Halloween“.
Wie klein das Ganze anfing, erzählte Tschorn The Local: 1994 lag der Halloween-Umsatz seiner Branche bei null. Am 4. September 1994 verschickte er die erste Pressemitteilung zu Halloween an deutsche Medien. Die griffen das Thema Jahr für Jahr auf, und Ende der 90er war Halloween laut Tschorn schon Kult. Besonders in Norddeutschland, wo kaum Karneval gefeiert wird, nutzten viele laut Berliner Kurier die neue Gelegenheit, sich zu verkleiden.
Vom Nullsummenspiel zum Millionengeschäft
Ende Oktober 2009 wurden laut Abendzeitung 29,6 Millionen Euro mit Halloween-Artikeln umgesetzt, darunter rund 972.000 Schminksets. Sogar der Kürbis hat profitiert: Früher galt er als Arme-Leute-Essen, seit Halloween ist er als vegetarische Delikatesse gefragt.
Erfunden hat die Spielwarenbranche das Fest natürlich nicht. Der Name kommt von „All Hallows’ Eve“, dem Abend vor Allerheiligen, und laut Berliner Kurier hat sich Halloween aus Bräuchen rund um diesen Feiertag entwickelt. Für eine Verbindung zum keltischen Fest Samhain gibt es demnach keine echten Belege. Nach Deutschland geholt hat es aber vor allem eine Branche, der ein ganzer Karneval fehlte.
Auch der Karneval hat 1991 sein Gespenst bekommen: Weil der Rosenmontagszug ausfiel, zogen in Köln Kriegsgegner und Jecken gemeinsam durch die Innenstadt. Daraus entstand laut koeln.de der Geisterzug in seiner heutigen Form.
Wenn heute Abend jemand als Skelett klingelt, steckt dahinter also auch ein abgesagter Rosenmontag.