Wie findest du diesen Fakt?
42,195 Kilometer. Eine absurd krumme Zahl für einen der bekanntesten Wettkämpfe der Welt. Warum nicht einfach 42 oder 40? Die Antwort liegt in London, im Jahr 1908, und hat mit einem Schloss und einer königlichen Loge zu tun.
Anfangs waren es rund 40 Kilometer
Der Marathon geht auf eine griechische Legende zurück: Ein Bote soll von Marathon nach Athen gelaufen sein, um einen Sieg zu verkünden. Als die modernen Olympischen Spiele 1896 in Athen starteten, legten die Veranstalter die Strecke deshalb auf etwa 40 Kilometer fest. Eine feste Norm gab es danach noch nicht.
Von Windsor bis vor die Loge
Bei den Spielen 1908 in London startete der Marathon an Schloss Windsor und endete im Olympiastadion. Laut World Athletics wurde die Strecke zuerst auf 26 Meilen gebracht und dann um weitere 385 Yards verlängert. Der Grund in der bekanntesten Version: Der Start wurde zurückverlegt, damit die königlichen Kinder ihn aus dem Fenster des Kinderzimmers im Schloss sehen konnten.
Zusammen ergibt das 26 Meilen und 385 Yards, also genau 42,195 Kilometer. Der offizielle Bericht von 1908 hält fest, dass die letzten 385 Yards auf der Aschenbahn im Stadion gelaufen wurden, bis zum Ziel direkt unter der königlichen Loge.
Gestartet wurde das Rennen 1908 in Windsor laut Boston.com von Prinzessin Mary, und im Stadion sollte das Rennen vor Queen Alexandra enden.
Die Geschichte hat einen Haken
Ob die Royals wirklich darum gebeten haben, ist umstritten. Laut Boston.com nannte der Olympiahistoriker Bob Wilcox die Kinderzimmer-Version einen Mythos, weil sich in den königlichen Archiven kein Beleg dafür finden ließ. Sicher ist nur: Die Strecke von 1908 war genau so lang.
Und genau diese Länge machte der internationale Leichtathletikverband 1921 offiziell zur Norm. Seitdem misst jeder Marathon auf der Welt 42,195 Kilometer, egal ob in Berlin, New York oder Tokio.
Die letzten 195 Meter, über die alle fluchen, verdanken Läuferinnen und Läufer also einem Londoner Streckenplan von 1908.