Wie findest du diesen Fakt?
Fast jeder Sport läuft nach der Uhr. 1939 versuchte Cricket es ohne, und das Spiel wollte einfach nicht aufhören.
Ein Spiel ohne Zeitlimit
Manche Testspiele, also offizielle Länderspiele im Cricket, waren früher „timeless“: ohne Zeitlimit, gespielt, bis eine Seite gewinnt. Laut Wikipedia gab es zwischen 1877 und 1939 genau 99 davon. Das letzte begann am 3. März 1939 in Durban als fünfter Test zwischen Südafrika und England. England führte in der Serie 1:0, dieses Spiel sollte sie entscheiden. Erwartete Dauer laut Wikipedia: höchstens fünf Tage.
Es wurden 12. The Books Page zählt neun Spieltage, einen verregneten Tag und zwei Ruhetage.
Jagd auf 696
Südafrika kam auf 530 und 481 Runs, England im ersten Durchgang auf 316. Damit brauchte England 696 Runs zum Sieg, und statt einzubrechen, schlug die Mannschaft immer weiter. Bill Edrich, der laut The Books Page im ersten Durchgang gerade mal einen Run geschafft hatte, machte laut It’s Only Cricket 219. Laut The Books Page war er damit der erste Engländer mit einem Doppel-Century im zweiten Durchgang eines Tests. Der Platz half den Schlagmännern: Jeden Morgen presste die schwere Walze Feuchtigkeit aus dem Lehm darunter, und die Sonne backte ihn wieder hart.
Am 14. März stand England bei 654 Runs mit 5 verlorenen Wickets. Nur noch 42 Runs fehlten. Dann stoppte Regen das Spiel, und die Gäste mussten los: Sie brauchten den Zug nach Kapstadt, um das Postschiff nach Hause zu erreichen. Hätten sie es verpasst, hätten sie mindestens noch einen Monat warten müssen. Das Spiel endete unentschieden.
Bonusfakt: Südafrikas Kapitän Alan Melville verlor den Überblick über die Tage und kam an einem Ruhetag zum Frühstück. Ein Kellner musste ihm sagen, dass an diesem Tag gar nicht gespielt wurde.
Das Ende einer Ära
Timeless Tests wurden abgeschafft, weil niemand vorhersagen konnte, wann sie enden, und das machte Planung und Geschäft schwierig. Durban war der letzte. Laut Wikipedia sind Englands 654 Runs der höchste je verzeichnete Wert in einem vierten Durchgang im First-Class-Cricket.
Zwölf Tage Cricket, kein Sieger, und das letzte Wort hatte der Zugfahrplan.