Wie findest du diesen Fakt?
Ein nagelneuer Baseball sieht perfekt aus: strahlend weiß, glatt, glänzend. Genau das ist das Problem. Neue Bälle sind so rutschig, dass Pitcher sie schlecht greifen können, und laut der Baseball Hall of Fame hat ihr Glanz manchmal auch die Schlagleute geblendet. Vor einem Profispiel muss der Glanz also weg. Und zwar mit Schlamm. Mit ganz bestimmtem Schlamm.
Ein Coach und sein geheimer Bach
Vorher probierten die Teams alles Mögliche aus, etwa Tabaksaft, Spucke und Erde vom Spielfeld, berichten WHYY und Princeton Info. Normale Erde war oft zu grob und zerkratzte das Leder. 1938 beschwerte sich der Schiedsrichter Harry Geisel aus der American League über diese Arbeit, schreibt die Hall of Fame. Lena Blackburne, damals Coach bei den Philadelphia Athletics, erinnerte sich an den feinen Schlamm, den er als Junge in einem Bach im Süden von New Jersey gefunden hatte. Er gab Geisel eine Dose, und bald wurde jedes Team der American League beliefert. An die National League verkaufte er erst ab Mitte der 1950er-Jahre.
Bis heute ein Familiengeheimnis
Blackburne starb 1968 und vermachte das Geschäft seinem Jugendfreund John Haas, der die Fundstelle geheim halten sollte, so die Hall of Fame. Seitdem ist es in der Familie geblieben. Jim Bintliff, der Enkel von Haas, grub laut Princeton Info schon mit 9 Jahren mit seinem Großvater. WHYY beschreibt, wie er mit der Schaufel nur die oberste Schicht Schlamm abträgt, ihn zu Hause siebt und reifen lässt, bevor er ihn verschickt.
Die offiziellen Regeln verlangen, dass die Schiedsrichter dafür sorgen, dass neue Bälle ordentlich eingerieben sind, erklärt die Hall of Fame. Vor einem Spiel reiben die Schiedsrichter, manchmal zusammen mit Betreuern aus der Kabine, 8 bis 10 Dutzend Bälle ein, dazu 6 Dutzend in Reserve, berichtet Princeton Info. Laut Eos bekommt jeder Ball einen fingergroßen Klecks.
Bonusfakt: Ein Team der University of Pennsylvania hat den Schlamm für eine Studie in der Fachzeitschrift PNAS untersucht. Laut Eos lässt er sich verteilen wie Hautcreme, während seine Körnchen für Grip sorgen. Etwas Magisches fanden die Forschenden an Mineralien und Mechanik aber nicht.
Jeder Wurf in der Profiliga beginnt also mit ein bisschen Dreck aus New Jersey.