Wie findest du diesen Fakt?
Auf dem Hochland von Tibet ist die Luft so dünn, dass viele Besucher aus dem Flachland schnell schlappmachen. Die Menschen, die dort seit Generationen leben, kommen damit erstaunlich gut klar. Ein Teil ihres Geheimnisses stammt von Verwandten, die es längst nicht mehr gibt.
Leben in dünner Luft
Das tibetische Hochplateau liegt auf rund 4.000 Metern Höhe. Dort steckt in der Luft etwa 40 Prozent weniger Sauerstoff als auf Meereshöhe. Der Körper von Flachlandmenschen reagiert darauf, indem er massenhaft rote Blutkörperchen bildet. Das Blut wird dadurch dicker, was eigene Probleme mit sich bringt.
Bei vielen Tibetern läuft das anders. Ihr Körper erhöht Hämoglobin und rote Blutkörperchen in der Höhe nur leicht und umgeht so diese Nebenwirkungen. Verantwortlich ist vor allem eine bestimmte Variante des Gens EPAS1.
Ein Erbstück der Denisova-Menschen
Die Variante ist bei rund 87 Prozent der Tibeter verbreitet, aber nur bei etwa 9 Prozent der Han-Chinesen. Ein Team um den Genetiker Rasmus Nielsen von der University of California, Berkeley, schaute sich das genauer an. Dafür sequenzierte es den Abschnitt bei 40 Tibetern und 40 Han-Chinesen.
Die Überraschung, 2014 im Fachjournal Nature veröffentlicht: Diese Genvariante stammt mit großer Sicherheit von den Denisova-Menschen, einer ausgestorbenen Menschenform. Offenbar haben sich die Vorfahren heutiger Menschen irgendwann mit Denisovanern vermischt und dabei das Gen mitgenommen. In Tibet hat sich die Variante dann durch natürliche Selektion stark ausgebreitet.
Nielsen nannte es das erste Mal, dass eindeutig gezeigt wurde, wie ein Gen einer anderen Menschenform modernen Menschen bei der Anpassung an ihre Umwelt geholfen hat. Er gab außerdem zu, dass das Team die Idee anfangs für ziemlich weit hergeholt hielt.
Von den Denisova-Menschen kennt man kaum Knochen: Aus der Denisova-Höhle im sibirischen Altai-Gebirge stammen nur ein Fingerknochen, ein Zehenknochen und zwei Zähne. Den Rest ihrer Geschichte verrät vor allem ihre DNA.
Uralte Hilfe
Die Denisova-Menschen wurden erst 2008 entdeckt. Dass ausgerechnet sie heute noch dabei helfen, auf dem Dach der Welt zu leben, klingt fast nach Science-Fiction. Es zeigt aber, wie viel von unserer Vorgeschichte noch in unseren Genen steckt.
Manche Erbstücke kommen eben nicht in einer Schmuckschatulle, sondern im Erbgut.