Wie findest du diesen Fakt?
Diese unscheinbaren Krusten auf Steinen und Baumrinde hast du sicher schon tausendmal übersehen. Dabei gehören Flechten zu den härtesten Lebewesen der Erde. So hart, dass Forschende sie auf einen nachgebauten Mars geschickt haben.
Eine Flechte ist eine WG
Eine Flechte ist kein einzelnes Lebewesen, sondern eine Partnerschaft: Ein Pilz lebt eng zusammen mit Algen oder Cyanobakterien. Der Pilz bietet Schutz und Halt, die Partner liefern per Photosynthese Nährstoffe. Diese Teamarbeit macht Flechten berühmt dafür, extreme Trockenheit wegzustecken.
Ein Monat auf dem Labor-Mars
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) wollte es genau wissen. Planetenforscher Jean-Pierre de Vera und sein Team setzten in Berlin Flechten aus Hochgebirge und Polarregionen in eine Mars-Simulationskammer. Dort herrschten Bedingungen wie auf dem Roten Planeten:
- eine Atmosphäre aus 95 Prozent Kohlendioxid und 4 Prozent Stickstoff
- ein Luftdruck von nur 6 Millibar
- Temperaturen zwischen minus 50 und plus 23 Grad Celsius
- Strahlung vom Ultraviolett bis zum Infrarot
Nach 34 Tagen lebten die Flechten noch. Mehr noch: Sie betrieben weiter Photosynthese. Wasser holten sie sich aus Kondensation, die sich in den simulierten Mars-Morgen- und Abendstunden bildete, am besten geschützt in Felsnischen und Bodenritzen.
Auch der echte Weltraum reicht nicht
Schon 2005 hatte die ESA zwei Flechtenarten, die Landkartenflechte und die Zierliche Gelbflechte, mit der Kapsel Foton-M2 ins All geschickt. 14,6 Tage lang waren sie dem Vakuum, starken Temperaturschwankungen, voller Sonnen-UV-Strahlung und kosmischer Strahlung ausgesetzt. Zurück auf der Erde zeigte die Analyse: Alle hatten überlebt, und ihre Photosynthese funktionierte wie vorher.
In der Mars-Kammer des DLR steckten nicht nur Flechten. Auch einige Cyanobakterien überstanden das Experiment und blieben aktiv.
Heißt das, auf dem Mars wächst bald Flechte? Nicht so schnell. Die Forschenden räumen selbst ein, dass ein Monat im Labor offenlässt, wie es über viel längere Zeiträume aussieht. Spannend für die Suche nach Leben ist es trotzdem: Wenn irdische Organismen solche Bedingungen aushalten, könnte sich auf dem Mars Leben in geschützten Nischen gehalten haben.
Die Flechte am Gartenzaun ist also ein heimlicher Astronaut.