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Keine Luft, eisige Kälte, gnadenlose Strahlung: Das Weltall ist so ziemlich der lebensfeindlichste Ort, den es gibt. Ein Mensch ohne Raumanzug wäre dort in kürzester Zeit verloren. Bärtierchen dagegen haben es überlebt.
Ein Ausflug mit der Foton-M3
Im September 2007 startete die Europäische Weltraumorganisation ESA die Mission Foton-M3. An Bord: rund 3.000 Bärtierchen. Die winzigen Tiere wurden in getrocknetem Zustand 10 Tage lang dem offenen Weltraum ausgesetzt, also Vakuum und kosmischer Strahlung.
Das Ergebnis überraschte selbst die Forscher. Projektleiter Ingemar Jönsson sagte laut ESA, das Vakuum mit seiner extremen Austrocknung und die kosmische Strahlung seien für die Bärtierchen „kein Problem“ gewesen. Das reine Vakuum hatte keinen nennenswerten Effekt. Die ESA nennt sie die ersten Tiere, die den Aufenthalt im offenen Weltall überlebt haben.
Nur die Sonne war zu viel
Ganz unverwundbar sind sie aber nicht. Gefährlich wurde es, wenn zum Vakuum noch das ungefilterte UV-Licht der Sonne kam. Bei der Art Richtersius coronifer überlebte nur 1 Prozent, bei Milnesium tardigradum immerhin 68 Prozent derjenigen, die einer begrenzten UV-Dosis ausgesetzt waren. In den Tagen danach starben allerdings noch viele.
Kleine Tiere, große Tricks
Bärtierchen sind meist nur etwa 0,5 Millimeter lang, die größten Arten erreichen 1,3 Millimeter. Ihren Namen verdanken sie Johann August Ephraim Goeze, der sie 1773 als „kleiner Wasserbär“ beschrieb. Heute kennt man rund 1.500 Arten.
Ihr Geheimnis heißt Kryptobiose. Wird es zu trocken, ziehen sie Beine und Kopf ein, trocknen aus und fahren ihren Stoffwechsel fast komplett herunter. In diesem Tönnchen-Zustand kommen sie jahrelang ohne Futter und Wasser aus. Bekommen sie wieder Wasser, erwachen sie zu neuem Leben.
Zumindest kurzzeitig überstehen Bärtierchen Temperaturen von −272 °C bis +149 °C.
Sie leben in Moos, im Meer und vermutlich gerade auch irgendwo in deiner Nähe. Die härtesten Tiere der Welt passen locker auf einen Stecknadelkopf.