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Heute füllen E-Sport-Turniere ganze Hallen, und es geht um Millionen. Angefangen hat alles deutlich bescheidener: Beim vermutlich ersten Videospielturnier der Welt, 1972 in Stanford, gewann der Sieger ein Jahresabo einer Musikzeitschrift.
Weltraumschlacht im Uni-Labor
Am 19. Oktober 1972 trafen sich Studierende und Forschende im Labor für Künstliche Intelligenz der Stanford University in Kalifornien. Der Name der Veranstaltung klang deutlich größer als sie war: „Intergalactic Spacewar Olympics“.
Gespielt wurde „Spacewar!“, eines der ersten Computerspiele überhaupt, ursprünglich entwickelt von Steve Russell und Kollegen am MIT. Zwei Raumschiffe oder mehr kämpfen darin um einen Stern, dessen Schwerkraft alles in seine Richtung zieht. Gespielt wurde auf dem einzigen PDP-10-Großrechner, den Stanford damals hatte.
Der Preis: Lesestoff
Es gab zwei Wettbewerbe. Im Teamwettbewerb gewannen Slim Tovar und Robert E. Maas. Das Jeder-gegen-jeden-Finale mit fünf Schiffen holte Bruce Baumgart. Der Hauptpreis: ein Jahresabo des „Rolling Stone“.
Das hatte einen Grund. Der Autor Stewart Brand berichtete für das Magazin über das Turnier, und laut Kotaku machte eine junge Fotografin namens Annie Leibovitz die Bilder. Sie wurde später eine der bekanntesten Fotografinnen der Welt.
„Spacewar!“ kannst du heute noch auf einem originalen PDP-1-Rechner spielen, im Computer History Museum in Mountain View, Kalifornien, an ausgewählten Samstagen.
Schon damals absehbar
Brand sagte Jahrzehnte später dem „Rolling Stone“ sinngemäß, dass volle Arenen mit Leuten, die anderen beim Zocken zuschauen, vielleicht erstaunlich wirken. Aber sie seien eine völlig logische Folge dessen, was man schon 1972 sehen konnte.
Er sollte recht behalten. Aus einem Abend im Labor wurde eine Industrie mit Profiteams, Ligen und ausverkauften Stadien.
Der erste E-Sport-Champion der Welt bekam also kein Preisgeld, sondern Post. Zwölf Monate lang.