Wie findest du diesen Fakt?
Heute hast du frei, weil der 3. Oktober gesetzlicher Feiertag ist. Fast wäre er aber zum Sonntag geworden, und zwar jedes Jahr.
Ein Feiertag als Sparmaßnahme
Im Jahr 2004 hatte die Bundesregierung ein Problem: Die Wirtschaft wuchs zu langsam. Finanzminister Hans Eichel (SPD) kam deshalb auf eine schräge Idee. Laut dem Faktencheck-Team von CORRECTIV schlug er vor, den Tag der Deutschen Einheit auf den ersten Sonntag im Oktober zu verlegen, „damit durch einen zusätzlichen Werktag die Wirtschaft angekurbelt wird“.
Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) war der gleichen Meinung. In einem Brief verteidigte er den Plan laut dem Nachrichtenportal The Local mit dem Argument, der Feiertag solle ja nicht abgeschafft, sondern nur auf den ersten Sonntag im Oktober verschoben werden.
Mehr Arbeitstage, mehr Wirtschaftsleistung, so die Rechnung. Der Haken: Ein Feiertag am Sonntag bringt niemandem einen freien Tag.
Nach einem Tag war die Idee erledigt
Begeistert war von dem Vorschlag kaum jemand, nicht einmal die eigene Partei. Schon einen Tag später lehnte SPD-Chef Franz Müntefering den Plan ab, berichtet CORRECTIV. Der Feiertag blieb, wo er war: am 3. Oktober.
Rechtlich wäre die Sache ohnehin heikel gewesen. Der Termin steht nämlich im Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik und der DDR. Dort heißt es in Artikel 2: „Der 3. Oktober ist als Tag der Deutschen Einheit gesetzlicher Feiertag.“
Warum überhaupt der 3. Oktober?
Viele fragen sich, warum Deutschland nicht den 9. November feiert, den Tag des Mauerfalls 1989. Laut der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg war der tatsächlich im Gespräch. Weil auf dieses Datum aber auch die Reichspogromnacht von 1938 fällt, wurde die Idee verworfen. Stattdessen nahm man den Tag, an dem die Einheit 1990 in Kraft trat.
Die Volkskammer der DDR stimmte dem Beitritt in einer Nachtsitzung zu. Das Ergebnis wurde laut der Landeszentrale um 2:30 Uhr morgens verkündet: 294 Ja-Stimmen, 62 Nein-Stimmen, 7 Enthaltungen.
Der Feiertag, der Deutschland zusammenhält, hat also selbst nur knapp seinen Platz im Kalender behalten.