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Fast 40 Jahre lang durfte kaum ein Mensch den Grenzstreifen zwischen Ost- und Westdeutschland betreten. Für Tiere und Pflanzen war genau das ein Glücksfall. Heute ist aus der alten Grenze das „Grüne Band“ geworden, rund 1.400 Kilometer Natur quer durch Deutschland.
Ein Streifen von der Ostsee bis Bayern
Laut BUND Naturschutz zieht sich das Grüne Band von Travemünde an der Ostsee bis zum Dreiländereck bei Hof. Unterwegs durchquert es 17 Naturräume und neun Bundesländer. Das Bundesamt für Naturschutz hat den Streifen kartiert und kommt auf 1.393 Kilometer.
Breit ist er dabei nicht: meist nur 50 bis 200 Meter. Zusammen ergibt das rund 177 Quadratkilometer. Fast zwei Drittel der Fläche stehen heute unter dem europäischen Schutz von Natura 2000.
5.000 Arten auf einem schmalen Band
Die Zahlen des BUND Naturschutz sind beeindruckend: 146 verschiedene Biotoptypen, über 5.000 Tier- und Pflanzenarten, und mehr als 1.200 davon stehen auf der Roten Liste. Zu den Bewohnern gehören Braunkehlchen, Raubwürger, Schwarzstorch, Fischotter, Luchs und Wildkatze. Dazu kommen Pflanzen wie Arnika und Trollblume.
Den Wert dieses Streifens hat Kai Frobel früh erkannt. Der spätere Artenschutzreferent des BUND Naturschutz sah schon in den 1970er-Jahren, wie wertvoll die Natur am Grenzstreifen ist. Kurz nach der Grenzöffnung trafen sich rund 400 Naturschützer aus Ost und West und forderten einstimmig, die Grenznatur zu schützen. Der BUND nennt das den Grundstein für das erste gesamtdeutsche Naturschutzprojekt.
Im November 2018 wurde der thüringische Teil des Grünen Bandes zum Nationalen Naturmonument erklärt.
Und es geht noch weiter
Das deutsche Grüne Band ist nur ein Stück eines viel größeren Projekts. Das „Grüne Band Europa“ folgt dem ganzen ehemaligen Eisernen Vorhang quer über den Kontinent und soll Lebensräume über Landesgrenzen hinweg verbinden.
Eine Grenze, die Menschen trennen sollte, verbindet heute also Fischotter, Luchse und Trollblumen.