Wie findest du diesen Fakt?
Heute um 11 Uhr knallt in Buñol bei Valencia ein Schuss, und dann fliegen Tomaten. Jede Menge Tomaten: Laut der spanischen Zeitung Público waren es 2015 rund 150 Tonnen. Dabei war La Tomatina jahrelang verboten, bis die Leute einer Tomate eine Beerdigung ausrichteten.
Alles begann mit einer Rangelei
Die bekannteste Version der Entstehungsgeschichte geht so: Am letzten Mittwoch im August 1945 zog in Buñol der traditionelle Umzug der „Gigantes y Cabezudos“ durch den Ort, also Riesenfiguren und Großköpfe. Ein paar junge Leute drängelten sich so heftig dazu, dass ein Teilnehmer stürzte. Es gab eine Rangelei, und zufällig stand dort ein Gemüsestand. Die Tomaten wurden zu Wurfgeschossen.
Wie genau es ablief, ist nicht sicher belegt, auch das Magazin Xataka nennt 1945 nur das Jahr, in dem „angeblich“ alles anfing. Fest steht: Im Jahr darauf kamen die jungen Leute wieder, diesmal mit eigenen Tomaten. Die Polizei musste auch diese Schlacht beenden.
Verboten, und trotzdem jedes Jahr
In den folgenden Jahren verboten die Behörden die Tomatenschlacht mehrmals. Gehalten hat sich daran kaum jemand. Laut dem Food-Magazin lovefood fand sie trotzdem statt, obwohl einige Teilnehmende festgenommen wurden.
Dann kam 1957 der schönste Protest der Festgeschichte: das „Entierro del Tomate“, die Beerdigung der Tomate. Die Leute aus Buñol trugen einen Sarg mit einer riesigen Tomate durch die Straßen, begleitet von einer Kapelle, die Trauermärsche spielte.
Es wirkte. Kurz darauf wurde die Tomatina erlaubt. Die Jahreszahl schwankt je nach Quelle: Xataka nennt 1957, Público 1959 als das Jahr, in dem das Fest offiziell wurde.
Vom Verbot zur Touristenattraktion
Heute ist La Tomatina laut dem spanischen Tourismusportal spain.info ein „Fest von internationalem touristischem Interesse“. Den Titel bekam sie laut Público im Jahr 2002. Wer mitmachen will, braucht inzwischen ein Ticket. Gekämpft wird, bis ein zweiter Schuss das Ende anzeigt, danach spritzen Wasserschläuche alle wieder sauber.
Vor der Schlacht gibt es noch einen Wettbewerb: Ein riesiger, mit Seife eingeschmierter Pfahl wird aufgestellt, ganz oben hängt ein Schinken. Wer hochklettert, bekommt ihn.
Aus einer Rauferei am Gemüsestand wurde also ein Fest mit Ticketpflicht. Die Tomate hat ihre Beerdigung gut überstanden.