Wie findest du diesen Fakt?
Bei „Genie“ denkst du vermutlich an Michelangelo. Doch seine Karriere bekam ihren Schub durch etwas, das heute als Kunstbetrug gelten würde.
Eine brandneue Antike
1496 war Michelangelo 21. Wie Atlas Obscura schreibt, hatte er das Talent, aber nicht den Namen, um seine Werke gut zu verkaufen. Viele Sammler interessierten sich dagegen viel mehr für klassische Skulpturen aus der Antike. Also meißelte er einen schlafenden Amor aus Marmor und ließ ihn alt aussehen.
Wie genau, wird unterschiedlich erzählt. Laut The Art Newspaper schrieb der Biograf Paolo Giovio, Michelangelo habe die Statue eine Zeit lang in der Erde vergraben und sie dann wieder ausgegraben, mit Flecken und absichtlichen Beschädigungen. Laut Atlas Obscura erzählt Giorgio Vasari es anders: Bei ihm vergrub der Händler die Statue in seinem Weinberg. So oder so: Der „antike“ Amor ging für viel Geld an Kardinal Raffaele Riario, einen Sammler römischer Altertümer.
Erwischt, und dann angeheuert
Irgendwann erfuhr der Kardinal, dass seine Antike brandneu war. Laut Atlas Obscura richtete sich sein Zorn vor allem gegen den Händler Baldassare del Milanese, der seinen Teil des Geldes zurückgeben musste. Michelangelo durfte seinen Anteil behalten.
Und dann die Wendung: Statt den Fälscher zu bestrafen, lud Riario ihn nach Rom ein. Laut The Art Newspaper wurde der Kardinal dort Michelangelos erster Gönner und gab weitere Werke in Auftrag, darunter die Bacchus-Statue, die heute im Bargello in Florenz steht. Das Museum of Hoaxes fasst es so zusammen: Der Kardinal war von seinem Talent beeindruckt und verzichtete auf eine Anzeige.
Bonusfakt: Die Fälschung hatte ein glamouröses Nachleben. Sie landete bei Isabella d’Este in Mantua, wurde von König Karl I. gekauft und 1631 nach England gebracht und verbrannte höchstwahrscheinlich 1698 beim Feuer im Whitehall-Palast.
Einer der berühmtesten Künstler der Geschichte schaffte den Durchbruch also, weil er zu gut im Fälschen war.