Wie findest du diesen Fakt?
Wie schnell vergisst du etwas? Hermann Ebbinghaus wollte darauf eine Zahl, kein Bauchgefühl. Also machte der deutsche Psychologe in den 1880ern sich selbst zur Laborratte.
Absichtlich Unsinn lernen
Ebbinghaus brauchte Lernstoff, der ihm nichts bedeutete, damit kein Teil einen Vorsprung hatte. Laut Britannica erfand er dafür 2.300 sinnlose Silben aus drei Buchstaben. Solche Kombinationen haben keine Bedeutung, also fängt jede bei null an.
Er selbst war seine einzige Versuchsperson. Er lernte Reihen von Silben, bis er sie fehlerfrei aufsagen konnte, wartete eine festgelegte Zeit und lernte sie dann erneut. Der Trick: Er maß, wie viel Zeit er beim zweiten Mal sparte. Je mehr Ersparnis, desto mehr war hängen geblieben. Laut einer Analyse in PLOS ONE dauerten seine Versuche etwa sieben Monate, oft mit bis zu drei Sitzungen am Tag.
1885 veröffentlichte er die Ergebnisse in seinem Buch „Über das Gedächtnis“. Berühmt wurde vor allem die Vergessenskurve: Sie beschreibt, wie das Vergessen mit der verstrichenen Zeit zusammenhängt.
Die Wiederholung, 130 Jahre später
Die Psychologie hat den Ruf, dass manche Ergebnisse zerbröseln, sobald jemand sie nachprüft. Also haben Jaap Murre und Joeri Dros von der Universität Amsterdam genau das gemacht. Dros, der Zweitautor, wurde selbst zur Versuchsperson. Er verbrachte rund 70 Stunden damit, Listen sinnloser Silben zu lernen und neu zu lernen, mit Pausen von 20 Minuten bis 31 Tagen.
Das Ergebnis, 2015 in PLOS ONE erschienen: Seine Vergessenskurve ähnelte der von Ebbinghaus stark. Die Autoren schreiben, die Kurve sei „tatsächlich repliziert“ worden. Eine kleine Überraschung gab es trotzdem: Die Kurve ist nicht ganz glatt und springt wahrscheinlich bei 24 Stunden nach oben. Ob der Schlaf dahintersteckt, müsse noch getestet werden, schreiben sie.
Bonusfakt: In der Wiederholung waren die ersten zwei und die letzten drei Silben einer Reihe am leichtesten zu lernen, vergessen wurde vor allem in der Mitte.
Ein Mann, ein Stapel Unsinn und sehr viel Geduld haben vermessen, wie dein Gedächtnis Dinge verliert.