Wie findest du diesen Fakt?
Gemeinsam sind wir stark, oder? Ein französischer Agraringenieur hatte Zahlen, die sagen: Es ist kompliziert.
Acht Leute, halbe Kraft
Maximilien Ringelmann untersuchte, wie effizient Pferde, Ochsen, Menschen und Maschinen in der Landwirtschaft arbeiten. Seine Versuche mit Menschen liefen vor allem zwischen 1882 und 1887 an der Landwirtschaftsschule Grand-Jouan, veröffentlicht hat er sie 1913. In seiner Übersichtstabelle zählt eine Person allein als 100 Prozent. Zu zweit schaffte jeder nur noch 93 Prozent. Zu dritt 85 Prozent. In einer Achtergruppe gerade mal 49 Prozent pro Kopf.
Noch schräger sind die Summen. Sieben Leute zusammen kamen auf das 3,92-Fache einer Einzelperson. Acht Leute: ebenfalls 3,92. Auf dem Papier brachte die achte Person also gar nichts.
Das Seil, das vielleicht keins war
Erzählt wird die Studie meist als Seilzieh-Experiment, und auch die Sage Encyclopedia of Group Processes beschreibt Gruppen von Arbeitern, die an einem Seil ziehen. Doch als David Kravitz und Barbara Martin 1986 den Originalartikel wieder ausgruben, stellten sie fest: Ringelmann ließ in manchen Tests tatsächlich am Seil ziehen. Welche Aufgaben hinter der berühmten Tabelle stecken, hat er aber nie angegeben. Dass es Seilzieh-Daten seien, kam erst später auf. Bekannt wurden die Zahlen durch einen Artikel eines Autors namens Moede von 1927, der Ringelmann nur in Klammern in einer Bildunterschrift nannte.
Warum verlieren Gruppen an Kraft? Zum Teil, weil sich Menschen nicht perfekt abstimmen. Doch 1974 bauten Alan Ingham und Kollegen den Seilversuch mit Augenbinden nach. In manchen Durchgängen glaubten die Teilnehmenden, sie zögen mit anderen, dabei zogen sie in Wahrheit allein. Ihre Leistung sank trotzdem. Es liegt also nicht nur an holpriger Teamarbeit: Menschen strengen sich in der Gruppe offenbar auch weniger an.
Bonusfakt: In Inghams erster Studie verloren Zweiergruppen 9 Prozent und Dreiergruppen 18 Prozent. Eine vierte, fünfte oder sechste Person machte kaum noch einen Unterschied.
1979 gaben Bibb Latané und Kollegen dem Phänomen den Namen, den es bis heute trägt: „Social Loafing“, auf Deutsch soziales Faulenzen. Viele Hände machen der Arbeit ein schnelles Ende, manchmal auch der Anstrengung.