Wie findest du diesen Fakt?
Probier mal: Das Wort GRÜN ist in roter Farbe gedruckt, und du sollst die Druckfarbe sagen, nicht das Wort. Dein Mund will trotzdem „grün“ sagen. Dieses kleine Stolpern heißt Stroop-Effekt, und der Mann dahinter hat kaum mitbekommen, wie berühmt er wurde.
100 Studierende und eine Stoppuhr
John Ridley Stroop entdeckte den Effekt im Rahmen seiner Doktorarbeit am George Peabody College for Teachers. 1935 veröffentlichte er ihn im Journal of Experimental Psychology unter dem Titel „Studies of interference in serial verbal reactions“.
In einem Experiment sollten 100 Studierende die Farben von 100 Elementen benennen. Waren es einfache farbige Quadrate, brauchten sie im Schnitt 63,3 Sekunden. Waren es Farbwörter in einer unpassenden Druckfarbe, brauchten sie 110,3 Sekunden. Das sind rund 74 Prozent mehr Zeit, nur weil ihr Gehirn das Wort immer mitlas.
Umgekehrt spielte es kaum eine Rolle. Die Wörter vorzulesen und die Farbe zu ignorieren, kostete nur 2,3 Sekunden mehr als bei schwarz gedruckten Wörtern, und diesen Unterschied hielt Stroop selbst nicht für verlässlich. Lesen läuft bei dir so automatisch, dass es sich einfach vordrängelt, während das Benennen einer Farbe echte Anstrengung kostet.
Der Prediger, der sich abwandte
Stroops Leben nahm eine andere Richtung. Er predigte schon mit 20 und arbeitete fast 40 Jahre als Lehrer und in der Verwaltung des David Lipscomb College in Nashville. Laut seinem Sohn Fred kehrte er der Psychologie gegen Ende seines Lebens weitgehend den Rücken und widmete sich dem Bibelstudium. Er starb 1973, ohne zu ahnen, wie groß seine Entdeckung werden würde.
Seine Doktorarbeit wurde derweil immer weiter zitiert: bis 2014 mehr als 9.900 Mal. Daniel Levin, Psychologieprofessor an der Vanderbilt University, nannte den Stroop-Test „die berühmteste Aufgabe der kognitiven Psychologie“.
Bonusfakt: Stroops Sohn Fred hat eine seltene erbliche Form der Farbenblindheit. Den berühmten Effekt seines Vaters kann er deshalb selbst nicht erleben.
Einer der bekanntesten Tests der Psychologie stammt von einem Mann, dessen eigentliche Leidenschaft ganz woanders lag.