Wie findest du diesen Fakt?
„Nice!“ sagst du vielleicht, wenn jemand ein starkes Tor schießt, das neue Outfit gut aussieht oder die Pizza endlich kommt. Das englische Wort ist längst auch im Deutschen angekommen. Im mittelalterlichen England hätte man das aber eher als Beleidigung verstanden.
Am Anfang: keine Ahnung
„Nice“ kam im späten 13. Jahrhundert über das Altfranzösische ins Englische. Die Wurzel ist das lateinische „nescius“, „unwissend“, wörtlich „nicht wissend“. Genau so wurde „nice“ anfangs auch benutzt: Laut Etymonline bedeutete es „töricht, unwissend, leichtfertig, sinnlos“. Merriam-Webster fasst die alte Bedeutung knapp zusammen: „trivial; foolish or stupid“, also belanglos, töricht oder dumm.
Eine Reise durch die Bedeutungen
Danach begann eine lange Wanderung. Etymonline zeichnet sie ungefähr so nach:
- vor 1300: „ängstlich, zaghaft“
- spätes 14. Jahrhundert: „pingelig, wählerisch“
- um 1400: „zart, fein“
-
- Jahrhundert: „genau, sorgfältig“
- 1769: „angenehm, erfreulich“
- 1830: „freundlich, rücksichtsvoll“
Die Bedeutung „genau“ steckt heute noch in Ausdrücken wie „a nice distinction“, also ein feiner Unterschied. Und laut Merriam-Webster kann „nice“ manchmal immer noch „wählerisch“ heißen, etwa wenn jemand einen zu feinen Gaumen für Fast Food hat.
Zu viel des Guten
Irgendwann wurde „nice“ zum Allzweckwort für alles irgendwie Gute. Jane Austen machte sich darüber schon in ihrem Roman „Northanger Abbey“ lustig: Eine Figur stellt dort fest, das Wort passe einfach für alles. Und der Wörterbuchautor Henry Fowler beschwerte sich 1926, „nice“ sei so beliebt geworden, dass es kaum noch etwas Genaues bedeute.
Vom Schimpfwort zum Lob in ein paar Jahrhunderten: Das ist ein ziemlich irres Comeback für ein Wort.
Auch „bully“ hat eine Kehrtwende hinter sich, nur in die andere Richtung: Laut Merriam-Webster bedeutete es früher „Schatz, Liebling“.
Von „dumm“ zu „super“, und keiner hat’s gemerkt.