Und ja, das stimmt wirklich.

Technik
WTF?!
Technik Fakt #071

Wer früher Captchas gelöst hat, hat nebenbei Bücher digitalisiert

Das frühe reCAPTCHA ließ Internetnutzer Wörter abtippen, die Scanner in alten Büchern und Zeitungen nicht lesen konnten.

21. September 2026 · 2 Min. Lesezeit · 3 Quellen

Dein Urteil

Wie findest du diesen Fakt?

Erinnerst du dich an diese verzerrten Wörter, die du abtippen musstest, um zu beweisen, dass du kein Roboter bist? Eines davon war ein Test. Das andere war echte Arbeit, und zwar für ein riesiges Digitalisierungsprojekt.

Die Idee aus der Uni

Erfunden hat reCAPTCHA ein Team an der Carnegie Mellon University in den USA, darunter der Informatiker Luis von Ahn. Er hatte schon am ursprünglichen Captcha mitgearbeitet. Dann fiel ihm auf, wie viele Milliarden Stunden Menschen weltweit mit dem Abtippen verbrachten. Seine Idee: Wenn ohnehin alle Wörter entziffern, warum nicht welche, die wirklich jemand braucht?

Beim Einscannen alter Texte scheitert die automatische Texterkennung nämlich oft an verblasster oder schräger Schrift. Bei englischen Texten aus dem 19. Jahrhundert übersah die Software laut Smithsonian 10 bis 30 Prozent. Genau solche Problemwörter landeten im Captcha.

So hat dich das System eingespannt

Jedes reCAPTCHA zeigte zwei Wörter: ein Kontrollwort mit bekannter Lösung und ein unbekanntes aus einem Scan. Hast du das Kontrollwort richtig getippt, galt auch deine Eingabe beim anderen als glaubwürdig. Tippten mehrere Leute dasselbe, war das Wort geknackt.

Das Pilotprojekt war das Archiv der New York Times. Bei einem Test mit 24.000 Wörtern aus Times-Archiven bis zurück ins Jahr 1860 lag reCAPTCHA bei 99,1 Prozent Genauigkeit, normale Texterkennung nur bei 83,5 Prozent. Im ersten Jahr lösten Nutzer über 1,2 Milliarden reCAPTCHAs und entzifferten mehr als 440 Millionen Wörter. Das entspricht ungefähr 17.600 Büchern. Später kamen auch Scans von Google Books dazu.

Google kaufte reCAPTCHA 2009. Um 2012 ersetzte der Dienst die Buchwörter durch Fotos aus Google Street View. Daher kommen die Ampeln und Zebrastreifen.

Und dann kam Duolingo

Von Ahn blieb seinem Prinzip treu: Viele Menschen lösen gemeinsam, was Computer allein nicht schaffen. Später gründete er mit Severin Hacker die Sprachlern-App Duolingo.

Falls du also je über ein Captcha geflucht hast: Immerhin hast du dabei ein Stück Zeitungsgeschichte gerettet.

Die Beweise

  1. 1Wikipedia: ReCAPTCHA
  2. 2National Geographic: Using our powers for good – how web security software can help to transcribe old books
  3. 3Smithsonian Lemelson Center: Human Computation Pioneer Luis von Ahn

Wie WTF ist das?

Zieh den Regler und sag uns, wie sehr dich der Fakt umhaut.

5

🎃 Der goldene Kürbis! Hier ist dein geheimer Halloween-Fakt:

Die ersten Kürbislaternen waren Rüben. In Irland und anderen keltischen Gegenden schnitzten Menschen im 19. und frühen 20. Jahrhundert Fratzen in Rüben, manchmal auch in Kartoffeln oder Rote Bete, und stellten eine Kerze hinein. Das sollte den ruhelosen Geist „Stingy Jack“ fernhalten, der weder in den Himmel noch in die Hölle durfte. Im irischen Nationalmuseum in County Mayo liegt bis heute der Gipsabguss einer geschnitzten Rübe aus Donegal mit einem „verkniffenen, wütenden Gesicht“.

Quelle: Smithsonian Magazine