Wie findest du diesen Fakt?
Stell dir vor, dein Sommerurlaub fällt komplett ins Wasser. Du sitzt mit Freunden in einem Haus fest, draußen Gewitter, drinnen Langeweile. Irgendwer schlägt vor: Wir schreiben Gruselgeschichten. Genau so entstand 1816 „Frankenstein“. Die Autorin Mary Shelley war damals 18 Jahre alt.
Ein Vulkan verdirbt den Sommer
Schuld am miesen Wetter war ein Vulkan am anderen Ende der Welt. Im April 1815 brach der Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa aus. Seine Asche verteilte sich hoch in der Atmosphäre und drückte weltweit die Temperaturen.
Das folgende Jahr 1816 ging als „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. In Neuengland fiel mitten im Sommer Schnee, in Europa regnete und stürmte es ständig. Mary Shelley selbst schrieb später von einem „nassen, unfreundlichen Sommer“, der die Gruppe ins Haus zwang.
Die Gruselnacht in der Villa Diodati
Das Haus war die Villa Diodati am Genfersee, gemietet vom Dichter Lord Byron. Zu Gast waren Mary, damals noch Mary Godwin, ihr späterer Ehemann Percy Shelley, ihre Stiefschwester Claire Clairmont und Byrons Leibarzt John Polidori.
Byron rief einen Wettbewerb aus: Jeder sollte eine Gespenstergeschichte schreiben. Mary tat sich zunächst schwer. Nach ihrer eigenen späteren Schilderung kam ihr die entscheidende Idee in einer Art Traum: ein Wissenschaftler, der etwas Lebloses zum Leben erweckt, und dann vor seinem eigenen Werk erschrickt.
Aus dieser Idee wurde ein ganzer Roman. „Frankenstein“ erschien 1818 und gilt heute als Klassiker des Gruselromans und als einer der frühesten Science-Fiction-Romane überhaupt.
Der Wettbewerb brachte noch ein zweites Monster hervor: John Polidori schrieb „Der Vampyr“. Die Geschichte gehört zu den frühen Vampirerzählungen der Literatur und beeinflusste später Bram Stokers „Dracula“.
Ein schlechter Sommer, ein Haus voller gelangweilter Dichter und eine 18-Jährige mit Albträumen: Mehr brauchte es nicht für zwei der größten Monster der Popkultur.