Wie findest du diesen Fakt?
Manche Menschen schlafen unter einem Moskitonetz. Papageifische bauen sich ihres selbst, und zwar aus Schleim.
Ein Schlafsack aus den Kiemen
Wenn es am Korallenriff Nacht wird, packen sich viele Papageifische und Lippfische ein. Sie geben Schleim ab, der einen durchsichtigen Kokon um ihren ganzen Körper bildet. Laut National Geographic brauchen sie dafür weniger als eine Stunde. Der Schleim kommt aus speziellen Drüsen in den Kiemen, die laut Live Science etwa so groß wie eine Vierteldollar-Münze sind.
Billig ist dieses Abendritual nicht. Der Kokon kostet etwa 2,5 Prozent der täglichen Energie des Fisches. Warum also der Aufwand?
Der Parasiten-Test
Die Meeresbiologin Alexandra Grutter von der University of Queensland in Australien hat 2010 eine Idee überprüft. Ihr Verdacht: Gnathiiden, winzige Asseln, die nachts Fischblut saugen und vielleicht auch einen malariaähnlichen Blutparasiten übertragen.
Grutter arbeitete mit Papageifischen der Art Chlorurus sordidus vom Great Barrier Reef. Bei der Hälfte der schlafenden Fische entfernte sie vorsichtig den Kokon, so sanft, dass keiner aufwachte. Dann setzte sie die Parasiten für 4,5 Stunden in die Becken.
Das Ergebnis, erschienen in der Fachzeitschrift Biology Letters: Etwa 95 Prozent der Fische ohne Kokon wurden befallen, aber nur etwa 10 Prozent der Fische im Schleimsack. National Geographic verglich den Kokon mit einem Moskitonetz. Was die Parasiten genau abhält, ist noch offen. Es könnte eine körperliche Barriere sein, eine chemische, oder der Schleim überdeckt den Geruch des Fisches.
Bonusfakt: Die Idee, dass der Kokon vor Räubern schützt, ist älter. 1959 beobachteten Forscher, dass drei schleimspinnende Arten seltener von Muränen gefressen wurden als eine Art, die ohne Hülle schlief. Live Science merkt aber an, dass auch viele Fische im Kokon gefressen wurden.
Der Morgen danach hat noch eine schräge Note. Laut Live Science sah Grutter einen Gemeinen Putzerlippfisch, der an seinen eigenen alten Kokons pickte, und einen Fisch, der im Morgengrauen offenbar Schleim im Maul hatte. Vielleicht ist der Schlafanzug von gestern das Frühstück von heute.