Wie findest du diesen Fakt?
Manche Länder haben eine strategische Ölreserve. Québec hat eine strategische Ahornsirup-Reserve. Und ja, jemand hat sie ausgeraubt.
Ein Lager voller flüssigem Gold
Die Reserve gehört dem Verband der Ahornsirup-Produzenten in Québec, der laut Mental Floss rund 75 Prozent des weltweiten Ahornsirup-Angebots verwaltet. Sie wurde im Jahr 2000 angelegt und 2011 nach einem Sirup-Überschuss vergrößert. 2012 standen in einem ihrer Lagerhäuser in Saint-Louis-de-Blandford rund 16.000 Fässer im Gesamtwert von etwa 30 Millionen kanadischen Dollar.
Überwachungskameras gab es dort keine. Das sollte noch wichtig werden.
Sirup raus, Wasser rein
Von 2011 bis 2012 zapfte eine Gruppe von Dieben in aller Ruhe Sirup aus den vollen Fässern in eigene Behälter ab. Danach füllten sie die leeren Fässer mit Wasser auf und stellten sie zurück, sodass die Stapel weiter vollständig aussahen. Insgesamt verschwanden etwa 2.700 Tonnen Sirup, rund sechs Millionen Pfund, im Wert von fast 18 Millionen kanadischen Dollar. Verkauft wurde der Sirup über New Brunswick, er landete in Ontario und in den USA.
Aufgeflogen ist die Sache im Juli 2012 bei einer routinemäßigen Inventur. Ein Mann, der die Fässer zählen sollte, kletterte auf einen Stapel, und ein Fass kippte unter ihm fast um. Es war leer. Bald tauchten weitere leere Fässer auf und andere, in denen nur noch Wasser war.
Ermittlungen in einem klebrigen Fall
Die Polizei von Québec, die Sûreté du Québec, ging von Insidern aus. Die Ermittler befragten Hunderte Menschen und stellten 40 Durchsuchungsbeschlüsse aus. Vier Männer wurden am Ende verurteilt, der mutmaßliche Kopf der Bande, Richard Vallières, bekam sieben Jahre und zehn Monate Haft. Nur ein Teil des gestohlenen Sirups tauchte je wieder auf.
Bonusfakt: Laut Global News war ein Fass dieses Sirups etwa 13-mal so viel wert wie ein Fass Rohöl.
Der dreisteste Coup der jüngeren Geschichte Québecs bestand also aus einem Schlauch, viel Wasser und einem Fass, das im falschen Moment gewackelt hat.