Wie findest du diesen Fakt?
Stell dir vor, du liegst im Wald unter dem Laub, dein Herz bleibt stehen, du atmest nicht mehr, und ein großer Teil deines Körpers wird zu Eis. Für fast jedes Tier wäre das das Ende. Für den nordamerikanischen Waldfrosch (Lithobates sylvaticus) ist es einfach Winter.
Eiszeit im eigenen Körper
Der Waldfrosch verkriecht sich zum Überwintern nicht tief in die Erde, sondern bleibt dicht unter der Laubschicht. Wenn es friert, friert er mit. Rund 65 bis 70 Prozent seines Körperwassers können zu Eis werden. Dann ist kein Herzschlag mehr messbar, keine Atmung, kein Blutkreislauf, keine Hirnaktivität.
In freier Natur bleiben manche Frösche so über Monate am Stück gefroren. In einer Untersuchung an Fröschen im natürlichen Winterschlaf waren es im Schnitt rund 193 Tage am Stück.
Zucker als Frostschutz
Der Trick steckt in der Leber. Sobald sich im Körper Eis bildet, wandelt sie gespeichertes Glykogen in Glukose um, also Traubenzucker. Der flutet den ganzen Körper. Zusammen mit Harnstoff wirkt er als Frostschutzmittel: Er hält genug Flüssigkeit in den Zellen, sodass sie nicht austrocknen oder von Eiskristallen zerstört werden.
Das Wasser gefriert vor allem außerhalb der Zellen, während die Zuckerlösung das Innere der Zellen schützt. Je nach Region überstehen Waldfrösche so Temperaturen bis etwa -16 Grad. Frösche aus Alaska haben dabei mehr Glykogen in der Leber und mehr Harnstoff im Blut als ihre Verwandten weiter südlich.
Der Waldfrosch ist der einzige Frosch Nordamerikas, der auch nördlich des Polarkreises vorkommt.
Neustart im Frühling
Wird es wärmer, taut der Frosch von innen nach außen auf. Das Herz beginnt wieder zu schlagen, und nach und nach fahren die anderen Organe hoch. Kurz darauf hüpft er zum nächsten Tümpel, um sich zu paaren, als wäre nichts gewesen.
Kein Wunder, dass der Waldfrosch auch die Forschung fasziniert: Er zeigt, dass ein Wirbeltier Eis im eigenen Körper aushalten kann, wenn die Chemie stimmt.
Ein Frosch am Stiel, nur eben einer, der im Frühling wieder lebendig wird.