Wie findest du diesen Fakt?
Stell dir einen Waldspaziergang im Sommer vor. Zwischen dem Laub liegt eine blasse, weiche Kugel, nur etwa 2 bis 3 Zentimeter groß. Etwas später sind rote Tentakel aus ihr herausgebrochen. Sie biegen sich nach hinten wie bei einem Seestern, und in der Luft hängt ein Geruch, als wäre hier etwas gestorben.
Das ist kein Alien. Das ist ein Pilz: der Tintenfischpilz, auf Englisch „Devil’s fingers“, also Teufelsfinger, wissenschaftlich Clathrus archeri.
Geschlüpft aus einem Schleim-Ei
Die meiste Zeit lebt der Pilz versteckt als Geflecht aus Fäden im Boden. Wenn er sich zeigen will, bildet er ein „Ei“: eine weiche, gallertartige Kugel. Laut Live Science gibt ihre Haut nach, wenn man mit dem Finger drückt. Nach Angaben der Nationalparkbehörde des New Forest in England hängt das Ei mit einem dicken Strang am unterirdischen Geflecht und kann mehrere Wochen warten, bis die Bedingungen passen.
Dann schlüpft er. Die roten Arme schieben sich heraus, zuerst noch an den Spitzen verbunden. Dann lösen sie sich und biegen sich zu einem Stern auseinander. Meist sind es mindestens 3 oder 4, manchmal 7 oder 8, Live Science berichtet sogar von bis zu 12. Das Ganze ist laut The Wildlife Trusts nur etwa 5 Zentimeter hoch, die Arme werden bis zu etwa 7 Zentimeter lang.
Der Gestank ist der ganze Trick
Die Arme sind mit einer schleimigen Schicht überzogen, der Gleba, in der die Sporen stecken. Sie riecht nach verwestem Fleisch. Die Pilzkundler David Arora und William R. Burk beschrieben den Geruch laut Live Science als „wie verrottende Krabbe“.
Eklig, aber clever. Der Geruch lockt Fliegen an, und die New-Forest-Behörde zählt auch Käfer und Schnecken zu den Gästen. Der Schleim bleibt an ihnen kleben, und sie tragen die Sporen an neue Orte. Für einen Pilz ist das ungewöhnlich, und so hat sich der Tintenfischpilz in weniger als 20 Jahren über den ganzen New Forest ausgebreitet.
Bonusfakt: Eigentlich ist der Tintenfischpilz gar nicht europäisch. Er stammt aus Australien und Neuseeland, in Teilen der USA heißt er „Octopus Fungus“, also Krakenpilz. Nach Europa kam er vermutlich um 1914, möglicherweise mit Kriegsnachschub oder Wolle.
Falls du also mal einen roten Kraken im Laub entdeckst: Keine Panik. Einfach Nase zuhalten.