Wie findest du diesen Fakt?
Stell dir vor, du hast Geburtstag, und die Sonne ist seit deinem letzten Geburtstag noch nicht einmal einmal um den Himmel gewandert. Auf der Venus wäre das ganz normal. Dort dauert eine Drehung um die eigene Achse länger als eine komplette Runde um die Sonne.
Langsamster Dreh im Sonnensystem
Die Erde braucht für eine Drehung um sich selbst etwa 24 Stunden. Die Venus braucht dafür rund 243 Erdtage. Für ihre Bahn um die Sonne, also ein Venusjahr, braucht sie dagegen nur rund 225 Erdtage.
Gemessen an den Sternen ist ein Venustag damit länger als ein Venusjahr. Kein anderer Planet in unserem Sonnensystem dreht sich so langsam.
Und dann auch noch rückwärts
Fast alle Planeten drehen sich in dieselbe Richtung, in der sie um die Sonne laufen. Die Venus nicht. Sie rotiert rückwärts. Die Folge: Auf der Venus geht die Sonne im Westen auf und im Osten unter.
Diese Rückwärtsdrehung hat einen schrägen Nebeneffekt. Weil sich Rotation und Umlauf gegeneinander auswirken, kommt die Sonne schneller wieder an dieselbe Stelle am Himmel, als man erwarten würde. Von einem Sonnenaufgang bis zum nächsten vergehen rund 117 Erdtage. Ein „Sonnentag“ ist also kürzer als eine volle Drehung. Klingt paradox, ist aber reine Geometrie.
Warum sie so tickt, weiß niemand genau
Wie die Venus zu ihrer lahmen Rückwärtsdrehung kam, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Diskutiert werden zum Beispiel heftige Einschläge in der Frühzeit des Sonnensystems oder die Wirkung ihrer extrem dichten Atmosphäre.
Gemütlich wäre ein Venustag übrigens nicht. Die Atmosphäre besteht vor allem aus Kohlendioxid, darüber hängen Wolken aus Schwefelsäure. Der Treibhauseffekt heizt den Boden auf über 460 Grad Celsius auf. Damit ist die Venus heißer als der Merkur, obwohl der näher an der Sonne liegt.
Die Venus ist nach dem Mond das hellste natürliche Objekt am Nachthimmel und deshalb oft als „Abendstern“ oder „Morgenstern“ zu sehen.
Ein Jahr, das schneller vorbei ist als ein Tag: Auf der Venus ist das Wochenende gefühlt ewig.