Und ja, das stimmt wirklich.

Wissenschaft
WTF?!
Wissenschaft Fakt #273

Der erdige Geruch nach Regen ist ein Lockstoff von Bakterien für winzige Bodentiere

Den erdigen Duftstoff Geosmin bilden Streptomyces-Bodenbakterien, und er lockt Springschwänze an, die dann die Sporen der Bakterien auf ihrem Körper und mit ihrem Kot verbreiten.

26. Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit · 4 Quellen

Dein Urteil

Wie findest du diesen Fakt?

Du kennst diesen Geruch, wenn Regen auf trockenen Boden fällt oder du im Garten gräbst. Wirkt wie der Raumduft der Natur. In Wahrheit ist ein großer Teil davon Werbung: Bakterien im Boden locken winzige Tiere an, damit die ihren Nachwuchs herumtragen.

Das Molekül hinter dem Geruch

Die erdige Note stammt von einem Stoff namens Geosmin. Laut dem John Innes Centre in England stellen ihn Bodenbakterien der Gattung Streptomyces her, also genau die Gruppe, von der viele der wirksamsten Antibiotika der Welt stammen. Science Notes ergänzt, dass auch bestimmte Cyanobakterien Geosmin bilden und dass Regen, der auf den Boden prasselt, den Stoff in die Luft verteilt.

Deine Nase ist darin extrem gut. Je nach Quelle nehmen Menschen Geosmin schon ab etwa 5 bis 100 Teilen pro Billion wahr. Laut John Innes Centre sind wir damit empfindlicher für diesen Geruch als Haie für Blut.

Ein Duft mit Auftrag

Alle untersuchten Streptomyces-Arten bilden Geosmin. Das deutete darauf hin, dass der Geruch einen Nutzen haben muss. Eine Studie von 2020 in der Fachzeitschrift Nature Microbiology, geleitet von Forschenden in Schweden, unter anderem zusammen mit dem John Innes Centre, hat herausgefunden, welchen. Der Geruch lockt Springschwänze an, millimetergroße sechsbeinige Bodentiere.

Das zeigte das Team auf mehreren Wegen, wie die Universität Lund berichtet. Fallen mit Streptomyces als Köder fingen im Freiland Springschwänze. Elektroden an den Fühlern der Tiere zeigten, dass sie Geosmin wahrnehmen. Und in Y-förmigen Röhren wählten die Springschwänze den Weg, der nach Erde roch.

Von dem Deal haben beide etwas. Die Springschwänze fressen die Bakterien und vertragen dank spezieller Enzyme deren Antibiotika. Gleichzeitig bleiben Sporen an ihren wachsartigen Körpern kleben und überstehen sogar den Weg durch den Darm. So verbreiten die Springschwänze die Bakterien auf ihrem Körper und mit ihrem Kot. Passend dazu bilden die Bakterien Geosmin nur, wenn sie Sporen herstellen. Mark Buttner vom John Innes Centre vergleicht das mit Vögeln, die Früchte fressen und dabei die Samen verteilen.

Bonusfakt: Das englische Wort „petrichor“ für den Regengeruch haben 1964 zwei Forschende der australischen Behörde CSIRO erfunden, Isabel Joy Bear und Richard Thomas. Es verbindet das griechische „petra“ (Stein) mit „ichor“, dem ätherischen Blut der Götter in der griechischen Mythologie.

Dieser gemütliche Regenduft ist also im Grunde eine Einladung zum Essen, nur eben nicht an dich.

Die Beweise

  1. 1John Innes Centre: Research unearths the science behind the smell of spring
  2. 2Lund University: The story behind that earthy smell in spring
  3. 3Science Notes: Petrichor and Geosmin - The Smell of Rain
  4. 4CSIRO: The smell of rain: how our scientists invented a new word

Wie WTF ist das?

Zieh den Regler und sag uns, wie sehr dich der Fakt umhaut.

5

🎃 Der goldene Kürbis! Hier ist dein geheimer Halloween-Fakt:

Die ersten Kürbislaternen waren Rüben. In Irland und anderen keltischen Gegenden schnitzten Menschen im 19. und frühen 20. Jahrhundert Fratzen in Rüben, manchmal auch in Kartoffeln oder Rote Bete, und stellten eine Kerze hinein. Das sollte den ruhelosen Geist „Stingy Jack“ fernhalten, der weder in den Himmel noch in die Hölle durfte. Im irischen Nationalmuseum in County Mayo liegt bis heute der Gipsabguss einer geschnitzten Rübe aus Donegal mit einem „verkniffenen, wütenden Gesicht“.

Quelle: Smithsonian Magazine