Wie findest du diesen Fakt?
Du wachst nachts auf, die Augen sind offen, aber du kannst keinen Finger rühren. Auf deiner Brust drückt etwas. Und in der Zimmerecke steht jemand. Was klingt wie der Anfang eines Horrorfilms, hat einen Namen: Schlafparalyse.
Wach im falschen Moment
Im REM-Schlaf, der Phase mit den lebhaftesten Träumen, ist deine Muskulatur fast komplett gelähmt. Das ist praktisch, denn so spielst du deine Träume nicht im Bett nach. Manchmal wacht das Bewusstsein aber auf, bevor diese Starre vorbei ist. Dann bist du wach und kannst dich trotzdem nicht bewegen.
Laut der Sleep Foundation dauert so eine Episode meist ein paar Sekunden bis wenige Minuten. Viele Fachleute vermuten, dass dabei Traumbilder in den Wachzustand hineinrutschen. Bis zu 75 Prozent der Episoden gehen mit Halluzinationen einher.
Der Besucher auf der Brust
Besonders typisch sind zwei Varianten. Beim „Eindringling“ spürt oder sieht man eine bedrohliche Gestalt im Raum. Beim „Inkubus“ fühlt es sich an, als säße jemand auf der Brust. Eine mögliche Erklärung: Im REM-Schlaf atmest du flacher, und wer das plötzlich bewusst merkt, empfindet es als Druck.
Kein Wunder, dass fast jede Kultur eine Figur dafür hat. Im mittelalterlichen Europa war es der Nachtmahr, der sich auf Schlafende setzte. In Neufundland spricht man von der „Old Hag“, in Brasilien von der Pisadeira, in Japan von Kanashibari.
Ein Gemälde als Gänsehaut-Klassiker
1781 malte Johann Heinrich Füssli „Der Nachtmahr“. Darauf hockt ein dämonisches Wesen auf der Brust einer schlafenden Frau, hinter dem Vorhang lugt ein Pferdekopf hervor. 1782 wurde das Bild an der Royal Academy in London gezeigt und wurde Füsslis erster großer Erfolg. Heute hängt es im Detroit Institute of Arts.
Ein Kupferstich des Bilds hing in den 1920er-Jahren in Sigmund Freuds Wiener Wohnung.
Und wie häufig ist das Ganze? Eine Übersichtsarbeit mit 35 Studien kam auf 7,6 Prozent in der Allgemeinbevölkerung und 28,3 Prozent bei Studierenden, die es mindestens einmal erlebt haben. Über alle Studien hinweg waren es rund 20 Prozent.
Der Dämon auf der Brust ist also ziemlich verbreitet. Er hat nur das schlechteste Timing der Welt.