Wie findest du diesen Fakt?
Dein Gehirn weiß, wo dein Körper aufhört. Sollte man jedenfalls meinen. Ein simpler Trick mit einer falschen Hand und zwei Pinseln zeigt, dass diese Grenze viel beweglicher ist, als sie sich anfühlt.
Zwei Pinsel, eine Gummihand
1998 veröffentlichten Matthew Botvinick und Jonathan Cohen in Nature einen Artikel mit dem Titel „Rubber hands ‚feel‘ touch that eyes see“, auf Deutsch etwa: Gummihände „spüren“ Berührungen, die die Augen sehen. Der Aufbau, wie ScienceDaily ihn beschreibt: Jede Testperson legte ihren linken Arm auf einen Tisch, versteckt hinter einem Sichtschutz. Davor lag gut sichtbar das Gummimodell einer linken Hand mit Arm.
Während die Person auf die Gummihand schaute, strich eine Versuchsleiterin oder ein Versuchsleiter mit Pinseln gleichzeitig über die falsche und die versteckte echte Hand, möglichst exakt im selben Takt.
Das Ergebnis war schräg. Die Teilnehmenden berichteten, dass sich die Berührung anfühlte, als käme sie von dem Pinsel, den sie auf der Gummihand sahen. Acht der 10 Personen, die diese Illusion erlebten, sagten außerdem, die Gummihand fühle sich an wie ihre eigene.
Dein Körpergefühl ist eine Schätzung
Warum akzeptiert jemand ein Stück Gummi als Teil von sich? Die Autoren schreiben in Nature, dass hier drei Dinge zusammenspielen: Sehen, Tasten und der Sinn dafür, wo deine Körperteile gerade sind. Wenn Sehen und Fühlen perfekt zusammenpassen, entscheidet sich dein Gehirn für die überzeugendste Geschichte, auch wenn darin eine falsche Hand vorkommt.
Laut dem Lancaster Glossary of Child Development verändert die Illusion sogar, wo Menschen ihre echte Hand vermuten: Ihre Einschätzung der Position rutscht in Richtung Gummihand. Die Autoren der Originalstudie sehen darin einen Hinweis darauf, wie wir überhaupt festlegen, was zu unserem eigenen Körper gehört.
Bonusfakt: Auch Kinder erleben die Gummihand-Illusion, laut dem Lancaster-Glossar sogar noch stärker als Erwachsene.
Du hast nicht einfach einen Körper. Dein Gehirn entscheidet ständig neu, was davon zu dir gehört.