Wie findest du diesen Fakt?
Die meisten Wüstentiere verkriechen sich, wenn die Sahara am heißesten ist. Die Saharische Silberameise (Cataglyphis bombycina) macht genau das Gegenteil: Sie verlässt mittags ihr Nest und sprintet über den Sand.
Schneller als jede andere gemessene Ameise
Biologinnen und Biologen der Universität Ulm haben Silberameisen in einer Oase am Nordrand der Sahara in Tunesien mit einer Hochgeschwindigkeitskamera gefilmt. Mit Mehlwürmern lockten sie die Tiere auf eine mit Sand bestreute Laufbahn. Höchstgeschwindigkeit: 855 Millimeter pro Sekunde. Das sind etwa 108 Körperlängen pro Sekunde, so ihre Studie im Journal of Experimental Biology.
Zum Vergleich: ScienceAlert gibt für einen Geparden etwa 16 Körperlängen pro Sekunde an, für Usain Bolt 6,2. Mit dem Tempo der Ameise, umgerechnet auf seine Größe, käme Bolt auf rund 800 km/h.
Der Trick sind nicht lange Beine. Silberameisen haben sogar kürzere Beine als ihre nahe Verwandte Cataglyphis fortis. Dafür machen sie bis zu 47 Schritte pro Sekunde, und bei hohem Tempo heben alle sechs Füße gleichzeitig ab. Die Ameise fliegt also kurz. Jeder Fuß berührt den Sand nur bis zu 7 Millisekunden lang.
Silberhaare als Sonnenschutz
Warum die Eile? Mittags kann der Boden 70 Grad Celsius erreichen, während die kritische Höchsttemperatur der Ameise bei 53,6 Grad liegt, berichtet UW News. Deshalb bleibt sie nur wenige Minuten draußen und sammelt Insekten und andere kleine Tiere, die an der Hitze gestorben sind. Dass sie zur heißesten Zeit unterwegs ist, schützt sie außerdem vor räuberischen Wüsteneidechsen.
Ihr silberner Glanz hilft dabei. Ein Team um Nanfang Yu von der Columbia University fand 2015 heraus, dass die Haare der Ameise einen dreieckigen Querschnitt haben. Sie reflektieren sichtbares und nahes Infrarot-Sonnenlicht und helfen, Körperwärme an den Himmel abzugeben. Zusammen hält das die Ameise 5 bis 10 Grad kühler als ohne diese Haare.
Bonusfakt: Selbst die Silberameise ist nicht der schnellste Läufer unter den Gliederfüßern. ScienceAlert sieht sie bei den Körperlängen pro Sekunde auf Platz drei, hinter einer kalifornischen Küstenmilbe mit 322 und einem australischen Sandlaufkäfer mit 170.
Die schnellste Ameise der Welt jagt also auf einer heißen Herdplatte, in einem Mantel, der wie ein Spiegel funktioniert.