Wie findest du diesen Fakt?
In deinem Blickfeld ist ein Loch. Genau jetzt, in jedem Auge. Du hast es noch nie bemerkt, weil dein Gehirn es so gut überdeckt.
Wo das Kabel das Auge verlässt
Deine Netzhaut ist mit lichtempfindlichen Zellen bedeckt, die Licht in Nervensignale umwandeln. Diese Signale müssen irgendwie ins Gehirn, und sie verlassen das Auge über den Sehnerv. Laut Britannica laufen dafür die Fortsätze von über einer Million Nervenzellen der Netzhaut an einer Stelle zusammen, der Papille. Sie ist etwa 1,5 Millimeter groß und hat überhaupt keine Fotorezeptoren. Was dort landet, wird schlicht nicht erfasst.
Das Ergebnis ist ein blinder Fleck im Blickfeld jedes Auges. Encyclopedia.com schreibt die Vorhersage dem französischen Wissenschaftler Edme Mariotte im 17. Jahrhundert zu. Beim Sezieren eines menschlichen Auges fiel ihm die Papille auf, und er folgerte, dass jedes Auge einen kleinen blinden Bereich haben muss.
Dein Gehirn füllt die Lücke
Warum läufst du dann nicht mit einem dunklen Fleck im Bild herum? Zwei Gründe. Mit beiden Augen offen überlappen sich die Blickfelder, jedes Auge deckt also die Lücke des anderen ab, erklärt Britannica. Und selbst mit einem geschlossenen Auge füllt dein Gehirn die fehlende Stelle mit der Umgebung auf. Encyclopedia.com beschreibt, dass der blinde Fleck normalerweise in derselben Farbe wie der Hintergrund erscheint. Das Gehirn kann sogar Linien über die Lücke hinweg verbinden.
Finden kannst du deinen eigenen mit einem Test von Neuroscience for Kids der University of Washington: ein Auge zu, mit dem anderen ein Pluszeichen anschauen und das Blatt langsam näher heranholen. Bei einem bestimmten Abstand verschwindet der Punkt daneben einfach.
Bonusfakt: Kraken und Kalmare haben diesen blinden Fleck nicht, weil bei ihnen der Sehnerv von hinten an die Sinneszellen herankommt, statt durch die Netzhaut zu brechen.
Das Bild, dem du jeden Tag vertraust, hat ein Loch, und dein Gehirn flickt es, bevor du es merkst.