Wie findest du diesen Fakt?
Sauerstoff ist das unscheinbarste Zeug, von dem du abhängst: keine Farbe, kein Geruch, einfach Luft. Kühlst du ihn aber auf minus 183 Grad Celsius ab, wird er flüssig und zeigt plötzlich zwei versteckte Talente.
Er ist blau
Im Glaskolben ist flüssiger Sauerstoff hellblau. Flüssiger Stickstoff, der bei minus 196 Grad siedet, bleibt direkt daneben farblos.
Der Grund ist ziemlich schräg. Laut den Chemie-Versuchsblättern der Purdue University absorbiert flüssiger Sauerstoff rotes Licht mit einer Wellenlänge von 630 Nanometern. Und zwar im Team: Ein einziges Photon regt zwei Sauerstoffmoleküle gleichzeitig an. Dadurch fehlt dem Licht etwas Rot, und übrig bleibt Blau.
Im Gas um dich herum passiert das fast nie, weil zwei Moleküle selten nah genug beieinander sind, wenn ein Photon ankommt. Flüssiger Sauerstoff packt dieselbe Menge in viel weniger Platz, etwa 800-mal weniger Volumen als das Gas. Plötzlich sind die Moleküle nah genug für den Trick.
Er bleibt am Magneten hängen
Das zweite Talent ist noch seltsamer. Gießt du flüssigen Stickstoff zwischen die Pole eines starken Magneten, läuft er einfach durch. Flüssiger Sauerstoff dagegen sammelt sich im Spalt und bleibt dort hängen. Bei einem Vorlesungsversuch in Harvard kann ein Schwall flüssiger Sauerstoff 30 oder 40 Sekunden lang im Magnetfeld schweben, während er verdampft.
Das nennt man Paramagnetismus. Farbe und Magnetliebe haben dieselbe Ursache: zwei ungepaarte Elektronen im äußeren Orbital des Moleküls. Stickstoff hat so etwas nicht, also passiert nichts.
Bonusfakt: Sauerstoff ist nicht das einzige Gas mit dieser Kombi. Laut dem Imperial College London ist verflüssigtes Stickstoffmonoxid eine tiefblaue Flüssigkeit und ebenfalls paramagnetisch.
Der Sauerstoff in deiner Lunge ist also heimlich eine blaue Flüssigkeit, die Magnete festhalten können. Er braucht nur sehr viel Kälte, um das zu zeigen.