Wie findest du diesen Fakt?
Frag irgendwen, welcher Planet der Erde am nächsten ist, und du hörst: „Die Venus.“ Ganz falsch ist das nicht: Die Venus kann uns bis auf 0,28 Astronomische Einheiten nahekommen. Eine Astronomische Einheit, kurz AE, ist der Abstand zwischen Erde und Sonne. Aber das ist nur die Venus in ihrem nächsten Moment. Im Durchschnitt gewinnt der Merkur.
Die Venus ist oft weit weg
Die klassische Antwort zieht einfach die Bahnen voneinander ab: Die Venus umkreist die Sonne im Mittel in 0,72 AE Abstand, die Erde in 1 AE, macht 0,28 AE. Das stimmt aber nur, wenn beide Planeten auf derselben Seite der Sonne stehen. Ist die Venus auf der anderen Seite, kann sie bis zu 1,72 AE entfernt sein, erklärt ZME Science.
Der Merkur dagegen entfernt sich nie weit von der Sonne. Sein mittlerer Bahnradius beträgt nur 0,39 AE. Über die Zeit summiert sich das.
10.000 Jahre im Computer
2019 haben Tom Stockman, Gabriel Monroe und Samuel Cordner das in einem Meinungsbeitrag in Physics Today vorgerechnet. Sie simulierten alle acht Planeten über 10.000 Jahre und notierten ihre Abstände alle 24 simulierten Stunden. Ergebnis: Im Mittel ist die Venus 1,14 AE von der Erde entfernt, der Merkur nur 1,04 AE.
Dazu lieferten sie eine einfache Abkürzung, die „Point-Circle-Methode“. Ihre Ergebnisse wichen weniger als 1 Prozent von der Simulation ab, die klassische Methode dagegen um bis zu 300 Prozent. Die Regel dahinter bekam einen albernen Namen: „Whirly-Dirly-Korollar“, nach einer Folge von „Rick and Morty“, berichtet ZME Science. Sie besagt: Je näher eine innere Bahn an der Sonne liegt, desto kleiner ist ihr mittlerer Abstand zur äußeren Bahn.
Bonusfakt: Nach derselben Logik ist der Merkur im Durchschnitt der nächste Planet für jeden anderen Planeten im Sonnensystem. Laut ZME Science ist der Uranus im Mittel sogar näher am Merkur als an seinem Nachbarn Neptun.
Der nächste Nachbar der Erde ist also ausgerechnet der, auf den kaum jemand tippt.