Wie findest du diesen Fakt?
Auf Spitzbergen, weit nördlich des norwegischen Festlands, führt ein schmaler Betonkeil in einen Berg. Dahinter liegt eine der ungewöhnlichsten Sicherheitskopien der Welt: Samen von Nutzpflanzen aus aller Welt. Der Tresor wurde am 26. Februar 2008 eröffnet und ist für den Fall gedacht, dass irgendwo eine Saatgutbank verloren geht.
Ein Backup im Fels
Die eigentlichen Lagerräume liegen mehr als 100 Meter tief im Berg, unter einer Felsschicht von 40 bis 60 Metern. Saatgutbanken schicken Duplikate ihrer Sammlungen hierher, oft rund 500 Samen pro Sorte. Platz ist für bis zu 4,5 Millionen Sorten.
Lange galt das als reine Vorsorge. Dann wurde es ernst.
Der erste Notfall
Das internationale Agrarforschungszentrum ICARDA hatte seine große Saatgutbank in Aleppo. Zwischen 2008 und 2014 schickte es 116.484 Saatgutproben als Kopie nach Spitzbergen, vor allem Weizen, Gerste, Linsen und Futterpflanzen aus trockenen Regionen. Als der Krieg in Syrien eskalierte, konnte die Genbank in Aleppo ab 2015 nicht mehr arbeiten.
Also passierte, wofür der Tresor gebaut wurde: Im September 2015 bat ICARDA um die erste Entnahme in der Geschichte des Tresors. 38.073 Proben gingen nach Libanon und Marokko.
Die Kisten im Tresor gehören weiterhin den Saatgutbanken, die sie eingelagert haben.
Vom Eis zurück aufs Feld
In Terbol im Libanon und in Rabat in Marokko wurden die Samen ausgesät und vermehrt. Die neue Ernte von 2016 diente dann doppelt: als Grundstock für die wieder aufgebaute Sammlung und als frische Kopie für Spitzbergen. Ab 2017 kamen die ersten Proben zurück in den Berg, bis 2019 insgesamt 42.729. Weitere Entnahmen folgten 2017 und 2019.
Der Tresor hat damit gezeigt, dass er mehr ist als ein Symbol. Eine Sammlung, die in einem Kriegsgebiet verloren schien, lebt weiter, weil irgendwo im arktischen Fels eine Kopie lag.