Wie findest du diesen Fakt?
Waschmittel aus der Drogerie gab es im alten Rom nicht. Wer seine Toga wieder sauber und hell haben wollte, setzte auf einen Stoff, den jeder Mensch täglich produziert: Urin. Klingt eklig, war aber Chemie mit System.
Ammoniak statt Waschpulver
Urin liefert Ammoniak, und das wirkt alkalisch und reinigt. Gesammelt wurde er aus öffentlichen Latrinen und dann an Gerbereien und Wäschereien verkauft. Besonders gefragt war er bei den Walkern, auf Latein fullones. In ihren Werkstätten, den fullonicae, reinigten und bearbeiteten sie Stoffe.
Das lief so: Der Walker stand mit den Füßen in einem Becken mit Wasser und einer alkalischen Mischung, zu der manchmal auch Ammoniak aus Urin gehörte. Dann trampelte er auf dem Stoff herum, schrubbte ihn und wrang ihn aus. Wäschewaschen war damals Fußarbeit. Allein in Pompeji kennt man bisher 11 solcher Betriebe.
Ein Kaiser wittert das Geschäft
Wo etwas gehandelt wird, ist der Fiskus nicht weit. Kaiser Vespasian, der von 69 bis 79 nach Christus regierte, brauchte Geld für die leeren Staatskassen. Also belegte er die öffentlichen Toiletten und den Urin daraus mit einer Abgabe.
Sein Sohn Titus fand das ziemlich daneben. Laut dem Geschichtsschreiber Sueton hielt Vespasian ihm daraufhin Geld aus den ersten Einnahmen unter die Nase und fragte, ob es rieche. Titus verneinte. Darauf der Kaiser: „Und doch ist es vom Urin.“ Daraus wurde der berühmte Spruch „Pecunia non olet“, Geld stinkt nicht.
In Paris heißen öffentliche Pissoirs bis heute „Vespasiennes“, in Italien „Vespasiani“. Benannt nach dem Kaiser mit der Latrinensteuer.
Der Spruch lebt weiter
Heute sagt man „Pecunia non olet“, wenn Geld aus einer fragwürdigen Quelle stammt und das niemanden so richtig stört. Ein Kaiser, eine Toilettenabgabe und ein Satz, der fast zwei Jahrtausende überdauert hat. Mehr Nachruhm hat kaum eine Steuer geschafft.