Wie findest du diesen Fakt?
Stell dir vor, du bräuchtest eine Genehmigung für dein Gesicht. Im Russland von Peter dem Großen war das Realität: Wer seinen Bart behalten wollte, musste Steuern zahlen und eine Marke als Beweis dabeihaben.
Ein Zar kommt von der Reise zurück
1697 und 1698 bereiste Peter I. mit der sogenannten Großen Gesandtschaft Westeuropa. Laut Smithsonian Magazine war er als „Sergeant Pjotr Michailow“ unterwegs, arbeitete vier Monate auf einer Werft der Niederländischen Ostindien-Kompanie und danach auf der Werft der Royal Navy in Deptford. Er kam mit großen Plänen zurück: Russland sollte modern werden. Bärte, die laut British Museum im übrigen Europa damals weitgehend aus der Mode waren, standen weit oben auf seiner Liste.
Bei einem Empfang nach seiner Rückkehr soll Peter ein Barbiermesser gezückt und seinen entsetzten Gästen eigenhändig die Bärte abrasiert haben. History Skills datiert die Ankündigung der Steuer auf September 1698. Viele Russen trugen Bart auch aus religiösen Gründen, und die orthodoxe Kirche hielt ein bartloses Gesicht für Gotteslästerung, schreibt Smithsonian.
Zahlen oder rasieren
Wie viel du zahlen musstest, hing davon ab, wer du warst. Laut Smithsonian zahlten Adlige und Kaufleute bis zu 100 Rubel im Jahr, einfache Leute dagegen schon mal nur 1 Kopeke. Priester und Diakone waren ausgenommen, so das British Museum. Wachen an den Stadttoren kontrollierten Männer mit Bart, und wer keinen Zahlungsbeweis hatte, riskierte, dass ihm der Bart abrasiert wurde, berichtet History Skills.
Der Beweis war eine Bartmarke. Das British Museum besitzt eine aus Kupfer von 1705, mit Schnurrbart und Bart, laut Katalog außerdem mit Doppeladler. Ihre kyrillische Inschrift bedeutet übersetzt „Geld erhalten“. Laut Museum gab es die Marken erst ab 1705, als weitere Gesetze erschienen, obwohl die Idee schon auf den ersten Erlass zurückging.
Bonusfakt: Eine Marke in der Eremitage in Sankt Petersburg bringt die offizielle Sicht auf den Punkt, schreibt History Skills: „Der Bart ist eine überflüssige Last.“
Nicht alle machten mit. Manche Männer trugen angeblich falsche Bärte oder rasierten sich in der Stadt und ließen den Bart draußen wieder wachsen. Nach Peters Tod 1725 verlor die Steuer an Bedeutung, offiziell abgeschafft hat sie Katharina die Große 1772. Auf dem Papier blieb ein russischer Bart also mehr als 70 Jahre lang steuerpflichtig.