Wie findest du diesen Fakt?
Atme mal tief ein. Deine Lunge holt sich Sauerstoff, dein Blut verteilt ihn im Körper. Fast überall jedenfalls. Ein Stück von dir lässt das Blut komplett links liegen und bedient sich direkt an der Luft: deine Hornhaut.
Durchsichtig heißt: keine Adern
Die Hornhaut ist die durchsichtige Struktur ganz vorne an deinem Auge. Laut StatPearls ist sie „avaskulär“, hat also keine Blutgefäße. Der Grund ist simpel: Sie muss glasklar sein, damit Licht sauber gebrochen wird. Adern mittendrin wären da ungefähr so hilfreich wie ein Kabelsalat vor einer Kameralinse. Africa Check bringt es auf den Punkt: Hätte die Hornhaut Blut, wären wir blind.
Aber auch Zellen ohne Adern brauchen Sauerstoff. Also nimmt die äußerste Schicht der Hornhaut ihn einfach aus der Umgebung auf. Nährstoffe bekommt sie aus der Tränenflüssigkeit und aus dem Kammerwasser, der klaren Flüssigkeit im Raum vor Iris und Linse.
Fast der gesamte Sauerstoff kommt aus der Luft
Wie viel davon wirklich aus der Luft stammt, hat ein Forschungsteam 2023 mit einem winzigen Glasfaser-Sensor gemessen, vor allem an Mäusen. Ihr Fazit: Die Aufnahme aus der Atmosphäre deckt „praktisch den gesamten“ Sauerstoffverbrauch der Hornhaut. Nur am Rand liefern nahe Blutgefäße etwas zu, und das ist laut der Studie vernachlässigbar.
Genau deshalb ist Sauerstoff auch ein Thema bei Kontaktlinsen. Laut Africa Check verringert eine Linse die Sauerstoffzufuhr zur Hornhaut, die dann anschwillt. Wer Linsen über Nacht trägt, drückt die Menge noch weiter.
Klein, aber extrem empfindlich
Keine Adern heißt übrigens nicht keine Nerven. Im Gegenteil: StatPearls nennt die menschliche Hornhaut das am dichtesten mit Nerven versorgte Gewebe des Körpers, mit einer Empfindlichkeit, die 300- bis 600-mal so hoch ist wie die der Haut.
Der Augenforscher David Maurice stellte 1998 eine schräge Hypothese auf: Die schnellen Augenbewegungen im REM-Schlaf könnten vor allem dazu da sein, das Kammerwasser bei geschlossenen Lidern in Bewegung zu halten, damit die Hornhaut genug Sauerstoff bekommt. Er nannte sie die „Hypothese vom stehenden Kammerwasser“.
Du atmest also nicht nur mit der Lunge. Ein kleines bisschen atmest du auch mit den Augen.