Wie findest du diesen Fakt?
Kaum eine Filmszene hat so viele Leute vom Duschen abgehalten wie die in Alfred Hitchcocks „Psycho“ von 1960. Dabei floss dort nichts Gruseligeres als Schokoladensirup.
Warum ausgerechnet Schokolade?
„Psycho“ wurde in Schwarz-Weiß gedreht. Laut Popular Science teils, um Kosten zu sparen, teils weil Hitchcock fand, dass farbiges Blut zu blutrünstig wirken würde. Auf Schwarz-Weiß-Film zählt aber nicht die Farbe, sondern wie dunkel etwas erscheint und wie es fließt.
Und da punktet Schokoladensirup. Sein dunkles Braun sah auf dem Film dunkler und echter aus als helles Theaterblut. Außerdem hat er eine ähnlich zähe Konsistenz. Hitchcocks Team trug ihn mit einer Quetschflasche aus Plastik auf, damals eine ziemlich neue Erfindung.
Welche Marke es war, ist allerdings umstritten. Oft wird Bosco genannt. Marli Renfro, das Körperdouble von Hauptdarstellerin Janet Leigh, erinnerte sich laut BFI dagegen an verdünnten Sirup von Hershey’s.
78 Einstellungen, 52 Schnitte
Gedreht wurde die Szene über rund eine Woche, das war etwa ein Drittel des gesamten Drehplans. Das Ergebnis: 78 Kameraeinstellungen und 52 Schnitte. Nach diesen Zahlen ist sogar ein ganzer Dokumentarfilm benannt: „78/52“ von 2017.
Der Trick dabei: Durch die vielen schnellen Schnitte glaubt das Publikum, mehr zu sehen, als tatsächlich gezeigt wird. Den Rest erledigt der Kopf. Dazu kommen die kreischenden Geigen von Komponist Bernard Herrmann. Hitchcock wollte die Szene ursprünglich ganz ohne Musik, Herrmann überzeugte ihn vom Gegenteil.
Für das Geräusch der Szene testete das Tonteam verschiedene Melonen und entschied sich am Ende für eine Casaba-Melone, weil sie dichter klang.
Kleine Zutat, große Wirkung
Hitchcock verbot sogar, dass Zuschauer zu spät ins Kino kamen. Wer die ersten Minuten verpasste, sollte die Überraschung nicht verpassen.
Mehr als sechs Jahrzehnte später funktioniert die Szene noch immer. Nicht schlecht für eine Flasche Schokoladensirup.