Wie findest du diesen Fakt?
Du hast dich mal mit einer Krähe angelegt? Dann hoff besser, dass sie dein Gesicht nicht gesehen hat. Krähen erkennen einzelne Menschen wieder und merken sich über Jahre, wer ihnen Ärger gemacht hat.
Das Masken-Experiment
Gezeigt hat das ein Team um den Forscher John Marzluff von der University of Washington in Seattle. Ab 2006 fingen die Forschenden auf dem Campus und an anderen Orten in Seattle Amerikanerkrähen mit Netzen, beringten sie und ließen sie wieder frei. Dabei trugen sie Gummimasken mit menschlichen Gesichtern.
Die „gefährliche“ Maske war eine Höhlenmenschen-Maske. Als Kontrolle diente eine zweite, neutrale Maske, mit der nie ein Vogel gefangen wurde. Das Ergebnis war eindeutig: Wer mit der Höhlenmenschen-Maske über den Campus lief, wurde von Krähen lautstark beschimpft, egal wer darunter steckte. Auf die Kontrollmaske reagierten sie kaum.
Trugen die Forschenden die Maske verkehrt herum, drehten manche Krähen ihren Kopf ebenfalls verkehrt herum, um das Gesicht richtig zu sehen.
Ein Groll, der sich herumspricht
Fast 7 Jahre nach Beginn der Studie zeterten die Vögel die Maske immer noch an, obwohl sie sie nur zweimal im Jahr für ein paar Stunden zu sehen bekamen. Noch erstaunlicher: Der Anteil der Krähen, die mitschimpften, hatte sich ungefähr verdoppelt. Die meisten davon waren nie gefangen worden und hatten den Vorfall vermutlich gar nicht miterlebt. Sie hatten es offenbar von anderen Krähen gelernt, von Eltern genauso wie von Artgenossen.
In einer weiteren Studie untersuchte das Team die Gehirne von 12 wilden Krähen. Beim Anblick der bedrohlichen Maske war eine Region aktiv, die ähnlich arbeitet wie die Amygdala bei Säugetieren.
Laut Marzluff ergibt das alles Sinn. In derselben Nachbarschaft füttert ein Mensch die Vögel vielleicht, während ein anderer sie loswerden will. Wer Freund und Feind auseinanderhalten kann, ist klar im Vorteil.
Krähen führen also eine Art schwarze Liste, und sie teilen sie mit Familie und Nachbarn. Freundlich grüßen lohnt sich.