Wie findest du diesen Fakt?
Schildkröten, Wale, Papageien: Wenn es um die Methusalems im Tierreich geht, denkst du vermutlich nicht zuerst an einen Hai. Dabei hält der Grönlandhai den Rekord als langlebigstes bekanntes Wirbeltier. Rund 400 Jahre können diese Tiere wohl alt werden.
Altersbestimmung per Augenlinse
Bei vielen Haien liest man das Alter an Wachstumsringen in den verkalkten Wirbeln ab. Der Grönlandhai ist aber ein „weicher“ Hai, dem solche Wirbel fehlen. Ein Team um den Meeresbiologen Julius Nielsen fand einen anderen Weg und veröffentlichte ihn 2016 im Fachjournal Science.
Die Forschenden untersuchten die Augenlinsen von 28 Haien und datierten sie mit der Radiokarbonmethode. Bei Fischen hatte das vorher noch niemand versucht. Geholfen haben sogar Spuren der Atombombentests aus den 1950er- und 1960er-Jahren: Sie tauchten nur bei 3 der 28 Tiere auf und dienten als zeitliche Markierung.
Das Ergebnis: Ein großes Weibchen war etwa 392 Jahre alt, mit einer Unsicherheit von plus/minus 120 Jahren. Die Spanne reicht also von 272 bis 512 Jahren. Selbst am unteren Ende übertrumpft der Hai den bisherigen Rekordhalter, einen Grönlandwal mit geschätzten 211 Jahren.
Leben im Zeitlupentempo
Das hohe Alter passt zum gemächlichen Lebensstil. Grönlandhaie wachsen weniger als 1 Zentimeter pro Jahr und schwimmen mit gerade mal 0,34 Metern pro Sekunde. Bezogen auf ihre Körpergröße sind sie damit die langsamsten Fische überhaupt. Geschlechtsreif werden sie erst mit rund 150 Jahren.
Sie leben im kalten Wasser der Arktis und des Nordatlantiks, meist in 100 bis 1200 Metern Tiefe. Ausgewachsen messen sie oft 4 bis 5 Meter.
Nicht alle Fachleute sind restlos überzeugt. Steven Campana von der Universität Island wartet laut Science News noch auf weitere Forschung, bevor er die 400 Jahre bestätigt.
Wer so langsam lebt, hat offenbar auch beim Altern keine Eile.