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Geschichte Fakt #055

Ketchup als Medizin? In den 1830ern galten Tomaten als Wundermittel

1834 erklärte ein US-Arzt Tomaten zur Medizin und lieferte Ketchup-Rezepte gleich mit. Kurz darauf wurden Tomaten-Pillen zum Verkaufsschlager.

14. September 2026 · 2 Min. Lesezeit · 2 Quellen

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Heute landet Ketchup auf Pommes und Burgern. In den USA der 1830er-Jahre stand die Tomate dagegen plötzlich im Ruf eines Heilmittels. Und Ketchup kam als Rezept gleich mit auf die Liste. Die Geschichte dahinter ist eine Mischung aus Marketing, Halbwissen und einem handfesten Pillenkrieg.

Ein Arzt mit großen Versprechen

1834 trat der Arzt und Hobbybotaniker John Cook Bennett an die Öffentlichkeit. Seine Behauptung: Tomaten hätten medizinische Kräfte. Laut Atlas Obscura sollten sie vor Cholera schützen und gegen Durchfall, Kopfschmerzen und Verdauungsbeschwerden helfen. Belege aus eigener Forschung lieferte er dafür nicht.

Bennett empfahl Tomaten aber nicht nur, er lieferte laut JSTOR Daily auch gleich Rezepte: für Tomatensoße, gebratene Tomaten, eingelegte Tomaten und Tomaten-Ketchup. Wer gesund bleiben wollte, sollte also ruhig zugreifen. Pikantes Detail: JSTOR Daily beschreibt Bennett außerdem als Betreiber einer reisenden Diplom-Mühle für Medizinabschlüsse.

Der große Pillenkrieg

Kurz darauf witterten Geschäftsleute das große Geld. Ab 1837 verkaufte der Händler Archibald Miles aus Cleveland ein „Compound Extract of Tomato“. Der Arzt Guy R. Phelps zog mit eigenen „Compound Tomato Pills“ nach. Beide warben aggressiv, Miles hatte Verkäufer von der Golfküste bis zur kanadischen Grenze.

Die Pillen sollten alles Mögliche heilen, von Verdauungsproblemen bis zur Syphilis. Der Haken: Als man einige der Pillen untersuchte, fand sich darin keine Spur von Tomate. Ende 1839 brach der Pillenkrieg abrupt ab, beide Anbieter stellten ihre landesweite Werbung ein.

Der Werbespruch der Zeit, laut JSTOR Daily: „Tomato pills will cure all your ills“, also etwa „Tomaten-Pillen heilen jedes Leiden“.

Was am Ende blieb

Die Pillen verschwanden, die Tomate blieb. Der Hype hatte sie in den USA bekannt gemacht. Der Food-Historiker Andrew F. Smith stellt laut Atlas Obscura fest, dass die Tomate innerhalb von 10 Jahren vom Nischenprodukt zur „Königin des Gemüsemarkts“ wurde.

Ein Wundermittel war sie nie. Aber ohne den medizinischen Unsinn von damals stünde die Ketchupflasche heute vielleicht nicht auf so vielen Tischen.

Die Beweise

  1. 1JSTOR Daily: Tomatoes as Medicine
  2. 2Atlas Obscura: The Tomato Pill Craze

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5

🎃 Der goldene Kürbis! Hier ist dein geheimer Halloween-Fakt:

Die ersten Kürbislaternen waren Rüben. In Irland und anderen keltischen Gegenden schnitzten Menschen im 19. und frühen 20. Jahrhundert Fratzen in Rüben, manchmal auch in Kartoffeln oder Rote Bete, und stellten eine Kerze hinein. Das sollte den ruhelosen Geist „Stingy Jack“ fernhalten, der weder in den Himmel noch in die Hölle durfte. Im irischen Nationalmuseum in County Mayo liegt bis heute der Gipsabguss einer geschnitzten Rübe aus Donegal mit einem „verkniffenen, wütenden Gesicht“.

Quelle: Smithsonian Magazine