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Heute landet Ketchup auf Pommes und Burgern. In den USA der 1830er-Jahre stand die Tomate dagegen plötzlich im Ruf eines Heilmittels. Und Ketchup kam als Rezept gleich mit auf die Liste. Die Geschichte dahinter ist eine Mischung aus Marketing, Halbwissen und einem handfesten Pillenkrieg.
Ein Arzt mit großen Versprechen
1834 trat der Arzt und Hobbybotaniker John Cook Bennett an die Öffentlichkeit. Seine Behauptung: Tomaten hätten medizinische Kräfte. Laut Atlas Obscura sollten sie vor Cholera schützen und gegen Durchfall, Kopfschmerzen und Verdauungsbeschwerden helfen. Belege aus eigener Forschung lieferte er dafür nicht.
Bennett empfahl Tomaten aber nicht nur, er lieferte laut JSTOR Daily auch gleich Rezepte: für Tomatensoße, gebratene Tomaten, eingelegte Tomaten und Tomaten-Ketchup. Wer gesund bleiben wollte, sollte also ruhig zugreifen. Pikantes Detail: JSTOR Daily beschreibt Bennett außerdem als Betreiber einer reisenden Diplom-Mühle für Medizinabschlüsse.
Der große Pillenkrieg
Kurz darauf witterten Geschäftsleute das große Geld. Ab 1837 verkaufte der Händler Archibald Miles aus Cleveland ein „Compound Extract of Tomato“. Der Arzt Guy R. Phelps zog mit eigenen „Compound Tomato Pills“ nach. Beide warben aggressiv, Miles hatte Verkäufer von der Golfküste bis zur kanadischen Grenze.
Die Pillen sollten alles Mögliche heilen, von Verdauungsproblemen bis zur Syphilis. Der Haken: Als man einige der Pillen untersuchte, fand sich darin keine Spur von Tomate. Ende 1839 brach der Pillenkrieg abrupt ab, beide Anbieter stellten ihre landesweite Werbung ein.
Der Werbespruch der Zeit, laut JSTOR Daily: „Tomato pills will cure all your ills“, also etwa „Tomaten-Pillen heilen jedes Leiden“.
Was am Ende blieb
Die Pillen verschwanden, die Tomate blieb. Der Hype hatte sie in den USA bekannt gemacht. Der Food-Historiker Andrew F. Smith stellt laut Atlas Obscura fest, dass die Tomate innerhalb von 10 Jahren vom Nischenprodukt zur „Königin des Gemüsemarkts“ wurde.
Ein Wundermittel war sie nie. Aber ohne den medizinischen Unsinn von damals stünde die Ketchupflasche heute vielleicht nicht auf so vielen Tischen.