Wie findest du diesen Fakt?
Ein Triebwerk direkt nach dem Start zu verlieren, ist der Albtraum jeder Pilotin und jedes Piloten. Beide zu verlieren, in weniger als 1.000 Metern Höhe über New York, klingt nach dem Ende der Geschichte. Für die 155 Menschen an Bord von US-Airways-Flug 1549 war es der Anfang einer der berühmtesten Rettungen der Luftfahrtgeschichte.
Gänse gegen Düsentriebwerke
Am 15. Januar 2009 startete ein Airbus A320 vom New Yorker Flughafen LaGuardia Richtung Charlotte. Keine zwei Minuten später, im Steigflug auf etwa 2.800 Fuß (rund 850 Meter), flog er in einen Schwarm Kanadagänse. Laut der US-Luftfahrtbehörde FAA gerieten in jedes Triebwerk mindestens zwei Gänse mit jeweils etwa 3,6 Kilogramm. Beide Triebwerke verloren fast ihren gesamten Schub.
Die Notfall-Checkliste für einen Ausfall beider Triebwerke war für große Höhen gedacht, nicht für einen Jet so knapp über der Stadt. Kapitän Chesley „Sully“ Sullenberger kam zu dem Schluss, dass das Flugzeug keinen Flughafen sicher erreichen würde. Als die Flugsicherung ihm eine Landebahn in Teterboro anbot, war seine Antwort kurz: „We can’t do it.“ (Das schaffen wir nicht.)
Ein Fluss als Landebahn
Etwa dreieinhalb Minuten nach dem Vogelschlag setzte der Jet auf dem Hudson River auf, rund 14 Kilometer von LaGuardia entfernt. Das Wasser hatte rund 5 Grad Celsius. Die Menschen kletterten auf die Tragflächen, und die vorderen Notrutschen wurden abgekoppelt und, wie vorgesehen, als Rettungsflöße genutzt.
Dann wurde die Stadt selbst zum Rettungsteam. Pendlerfähren der Reederei New York Waterway waren als Erste da: Die erste Fähre erreichte das Flugzeug innerhalb von drei Minuten nach der Notwasserung, sechs weitere kamen innerhalb von zehn Minuten. Nach etwa 20 Minuten waren alle gerettet. Alle 155 Menschen, 150 Passagiere und fünf Crewmitglieder, überlebten.
Bonusfakt: Der gesamte Flug, vom Start bis zum Aufsetzen auf dem Fluss, dauerte fünf Minuten und acht Sekunden.
Die Untersuchung danach nahm genau unter die Lupe, wie Flugzeuge für Notwasserungen zugelassen werden und wie Crews dafür trainieren. Die FAA hielt außerdem fest, dass nur etwa 20 Prozent der Schwimmwesten an Bord überhaupt benutzt wurden. Ein Gänseschwarm, ein eiskalter Fluss und eine Flotte von Pendlerfähren: Mehr Besetzung brauchte diese Rettung nicht.