Wie findest du diesen Fakt?
Auf deinem Bildschirmrand, im Lehrbuch, am Kühlschrank: Post-its kleben überall. Und das nur, weil ein Kleber genau das nicht tat, was er sollte.
Der Kleber, den keiner brauchte
1968 arbeitete Spencer Silver laut der Online-Enzyklopädie der Minnesota Historical Society als Wissenschaftler in der Zentrale von 3M in Maplewood. Sein Ziel war ein starker Klebstoff. Heraus kam das Gegenteil: ein Kleber, der zwar haftete, sich aber wieder ablösen und neu ankleben ließ.
Silver hielt die Entdeckung trotzdem für nützlich. Er suchte laut MNopedia rund fünf Jahre lang nach einer Anwendung. Das Problem: Niemand wusste so recht, wofür man einen Kleber braucht, der nicht richtig festhält.
Rettung aus dem Kirchenchor
Die Lösung kam von seinem Kollegen Art Fry. Der sang in einem Kirchenchor und ärgerte sich, dass seine Lesezeichen aus Papier ständig aus dem Gesangbuch fielen. Er erinnerte sich an Silvers Kleber und dachte: Ein Lesezeichen, das ein bisschen klebt, aber keine Spuren hinterlässt, wäre perfekt. MNopedia datiert diesen Einfall auf 1973.
Aus dem Lesezeichen wurde ein Notizzettel. Ursprünglich hieß das Produkt „Press n’ Peel“. 1977 startete 3M erste Markttests in mehreren Großstädten.
Der Boise-Blitz
Richtig in Fahrt kam die Sache 1978 mit einer großen Testaktion in Boise im US-Bundesstaat Idaho, die als „Boise Blitz“ bekannt wurde. 3M verteilte dort Gratisproben. Laut MNopedia sagten etwa 90 Prozent der Leute, die das Produkt ausprobiert hatten, dass sie es kaufen würden. 1980 kamen die Haftnotizen dann landesweit in die US-Läden.
Zwölf Jahre lagen also zwischen dem missglückten Kleber und dem fertigen Produkt im Regal.
Bonusfakt: 2004 zeigte das Museum of Modern Art in New York in der Ausstellung „Humble Masterpieces“ ein Post-it aus seiner Sammlung.
Manchmal ist der größte Erfolg eines Labors ein Kleber, der loslässt.