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Ein Verkehrszeichen, für das Menschen auf die Barrikaden gehen? Klingt absurd, ist aber passiert. Als das ostdeutsche Ampelmännchen nach der Einheit verschwinden sollte, gründeten Bürger aus Ost und West ein „Komitee zur Rettung der Ampelmännchen“, und sie gewannen.
Ein Psychologe malt ein Männchen mit Hut
Erfunden hat das Ampelmännchen kein Designer, sondern ein Verkehrspsychologe. Laut German History in Documents and Images bekam Karl Peglau 1961 vom Verkehrsministerium der DDR den Auftrag, Signale für Fußgängerampeln zu entwerfen. Laut DDR Museum stellte er am 13. Oktober 1961 seinen ersten Entwurf vor.
Die Idee: Farbe allein reicht nicht. Eine Figur mit eindeutiger Form sollte Fußgänger aufmerksamer machen, vor allem Kinder. Das sollte Unfälle verhindern.
Kurios: Peglau hatte Bedenken wegen des Huts. Laut DDR Museum fürchtete er, der Hut könnte als „bürgerlich-kapitalistisches Symbol“ gelten. Durchgekommen ist der Entwurf trotzdem. 1969 leuchteten die Ampelmännchen zuerst in Ost-Berlin, später in der ganzen DDR.
Nach 1990: weg damit?
Nach der Einheit sollten die Ostsignale gegen westdeutsche Varianten ausgetauscht werden. Der Designer Markus Heckhausen sammelte ausrangierte Ampelmännchen und baute daraus Leuchten. Das brachte viel Aufmerksamkeit, und daraus entstand das Rettungskomitee.
1997 hatte es Erfolg: Das Ampelmännchen durfte nicht nur bleiben, sondern wird bei neuen Ampeln in den ostdeutschen Bundesländern sogar bevorzugt eingesetzt. Im selben Jahr gründete Heckhausen die Firma AMPELMANN, die aus der Figur eine ganze Reihe von Fanartikeln machte.
In den 1980er-Jahren hatten die Ampelmännchen sogar eigene Zeichentrickfolgen, die im DDR-Fernsehen innerhalb von „Unser Sandmännchen“ liefen.
Und weil es 1997 nicht genug Ampel-Neuigkeiten geben konnte, kam laut DDR Museum auch noch die Ampelfrau dazu, gezeichnet von Hans-Jürgen Ellenberger.
Ein kleines Männchen mit Hut hat also etwas geschafft, was vielen größeren Dingen aus der DDR nicht gelungen ist: Es ist geblieben.