Wie findest du diesen Fakt?
Wörterbücher gelten als die oberste Instanz in Sachen Sprache. Was drinsteht, ist ein Wort. Ziemlich peinlich also, wenn ein Wort drinsteht, das niemand je benutzt hat.
Eine Karte im falschen Stapel
1934 erschien die zweite Ausgabe von „Webster’s New International Dictionary“, einem der wichtigsten Wörterbücher der USA. Auf Seite 771, zwischen „Dorcopsis“ und „doré“, stand ein Eintrag: „dord“, ein Substantiv aus Physik und Chemie, Bedeutung: Dichte.
Das Problem: Dieses Wort gab es nicht. Laut Snopes lief es so ab: Für die neue Ausgabe wurden Abkürzungen in einen eigenen Teil hinten im Buch verschoben. Eine Karteikarte mit dem Vermerk „D or d, cont./density“ sollte bei diesen Abkürzungen landen. Gemeint war: Ein großes oder kleines D kann für „density“, also Dichte, stehen.
Die Karte rutschte aber in den Stapel mit den normalen Wörtern. Dort wurde aus „D or d“ beim Setzen ein einziges Wort: dord. Ohne Herkunft, ohne Beispiel, aber mit Definition.
Fünf Jahre unentdeckt
Der Eintrag ging durch alle Korrekturen. Erst 1939 fiel einem Redakteur auf, dass bei „dord“ jede Angabe zur Wortherkunft fehlte. Er prüfte die Unterlagen und entdeckte den Fehler. Aus späteren Drucken flog das Wort heraus, laut Mental Floss war es spätestens 1947 komplett verschwunden.
Seitdem ist „dord“ das Paradebeispiel für ein „Geisterwort“: einen Eintrag, der nur durch einen Fehler entstanden ist und nie wirklich in Gebrauch war.
Manche Wörterbücher bauen falsche Wörter sogar absichtlich ein, um Abschreiber zu ertappen. Das „New Oxford American Dictionary“ erfand dafür „esquivalience“, angeblich „das absichtliche Drücken vor den eigenen Pflichten“.
Was das über Sprache verrät
Die Geschichte zeigt, wie Wörterbücher entstehen: nicht durch göttliche Eingebung, sondern durch Menschen, Zettel und Stapel. Und manchmal reicht eine falsch abgelegte Karte, damit ein Wort fünf Jahre lang offiziell existiert.
Selbst das dickste Wörterbuch ist am Ende nur so gut wie sein Karteikasten.