Wie findest du diesen Fakt?
Jedes Mal, wenn jemand „Dollar“ sagt, redet er heimlich Deutsch. Das Wort geht auf eine Silbermünze aus einem Tal in Böhmen zurück, im heutigen Tschechien.
Ein Tal voller Silber
Laut dem Etymologie-Wörterbuch Etymonline wurde 1516 bei Sankt Joachimsthal im Erzgebirge ein Silberbergwerk eröffnet. Ab 1519 prägte man aus dem Silber große Münzen. Der Name war schlicht: Joachimsthaler, also so viel wie „der aus dem Joachimstal“. Dictionary.com schreibt den Namen Graf Hieronymus Schlick aus Böhmen zu.
Der Name war allerdings ein Zungenbrecher, also wurde gekürzt. Schon in den 1530er-Jahren sagte man einfach „Taler“. Bald prägten auch andere Regionen ähnliche große Silbermünzen, und der Name wanderte mit.
Vom Taler zum Dollar
Englischsprachige übernahmen das Wort aus dem Niederdeutschen. In den 1550er-Jahren tauchte es im Englischen als „daler“ auf, um 1600 war daraus „dollar“ geworden. Gemeint war damit zuerst eine deutsche Silbermünze, nichts Amerikanisches.
Dann kamen die Spanier ins Spiel. Ihre großen Silbermünzen hießen „Spanish dollars“, weil sie den Talern ähnelten. Sie dienten als internationales Zahlungsmittel und landeten in Großbritanniens nordamerikanischen Kolonien, wo britisches Geld knapp war. So gewöhnten sich die Kolonisten ans Rechnen in Dollar, lange bevor es die USA gab.
Bonusfakt: 1786 wählte der Kontinentalkongress „Dollar“ als Namen für die neue US-Währungseinheit, und 1794 kamen die ersten US-Dollarmünzen in Umlauf.
Warum das in beiden Sprachen funktioniert
Im Deutschen steckt der Hinweis schon im Wort: Ein „Thaler“ ist wörtlich „einer aus dem Tal“. Im Englischen verwischt der Lautwandel von „taler“ zu „dollar“ diese Spur fast komplett, deshalb bringt kaum jemand die beiden zusammen.
Der berühmteste Währungsname der Welt ist also im Grunde ein Spitzname für ein böhmisches Tal. Der Greenback spricht mit Erzgebirgs-Akzent.