Wie findest du diesen Fakt?
Stell dir vor, du findest im Keller ein Glas Marmelade aus der Römerzeit, und es ist noch gut. So ähnlich lief es in Israel mit einem Dattelkern. Nur dass daraus kein Frühstück wurde, sondern ein Baum.
Ein Kern aus der Festung
In den 1960er-Jahren gruben Archäologen in Masada, einer antiken Festung über dem Toten Meer, Dattelkerne aus dem Schutt. Die Radiokarbondatierung ergab: Die Kerne sind rund 2000 Jahre alt. Sie stammen ungefähr aus der Zeit des Jüdischen Krieges im 1. Jahrhundert. Danach lagen sie über 40 Jahre lang im Lager.
Die Ärztin Sarah Sallon wollte wissen, ob noch Leben in ihnen steckt. Die Pflanzenexpertin Elaine Solowey vom Arava-Institut im Kibbuz Ketura versuchte es. Im März 2005 passierte, womit kaum jemand gerechnet hatte: Einer der Kerne keimte.
Methusalem wird erwachsen
Den Keimling tauften sie Methusalem, nach der biblischen Figur, die für ihr extrem langes Leben bekannt ist. Nach 26 Monaten war die junge Palme schon rund 1,2 Meter hoch. 2011 zog sie aus dem Gewächshaus ins Freiland, und Jahre später maß sie über drei Meter.
Methusalem gehört zur Judäischen Dattel, einer Sorte, die in der Antike berühmt war und vor Jahrhunderten verschwand. Plötzlich stand ein lebendes Stück davon wieder in der Erde. Das Fachmagazin Science berichtete 2008 darüber, und die Palme landete sogar im Guinness-Buch der Rekorde.
Ein Date mit Hannah
Kleiner Haken: Methusalem ist männlich, Datteln trägt er also nicht. Seine Pollen funktionieren aber. Solowey versuchte es deshalb mit weiteren uralten Kernen. Von 32 ausgewählten trieben 6 aus, darunter eine weibliche Palme namens Hannah.
Bestäubt von Methusalem und zwei weiteren Uralt-Palmen namens Adam und Jonah, trug Hannah 2021 fast 700 Datteln, nach 111 bei der allerersten Ernte. Laut den Forschenden schmecken sie halbtrocken mit einer Note von Honig und Karamell.
Ganz vorne in der Rangliste der Uralt-Pflanzen liegt Methusalem trotzdem nicht: 2012 zogen russische Forschende eine arktische Pflanze aus rund 32.000 Jahre altem Material.
Eine Frucht, die seit der Antike niemand gegessen hatte, liegt also wieder auf dem Teller. Geduld ist manchmal einfach die beste Überlebensstrategie.