Wie findest du diesen Fakt?
Stell dir vor, deine Uni verbietet Haustiere, und du suchst nach einem Schlupfloch. Genau das hat Lord Byron gemacht, der später einer der berühmtesten Dichter Englands wurde. Hunde durften Studenten am Trinity College in Cambridge nicht halten. Also schaffte er sich einen zahmen Bären an.
Ein Schlupfloch mit Fell
Byron studierte von 1805 bis 1807 am Trinity College. Dass er dort keinen Hund halten durfte, passte ihm gar nicht. Laut dem Wordsworth Trust stand in den Regeln aber nichts über Bären, und deshalb hatte die Collegeleitung keine rechtliche Handhabe, sich zu beschweren.
Woher das Tier kam, ist nicht ganz sicher. Die University of Cambridge schreibt, Byron habe den Bären möglicherweise auf der Stourbridge Fair gekauft, einem Jahrmarkt.
„Er soll sich um ein Fellowship bewerben“
Am 26. Oktober 1807 schrieb Byron seiner Freundin Elizabeth Pigot einen Brief, der bis heute zitiert wird. Er habe einen neuen Freund, „den feinsten der Welt, einen zahmen Bären“. Als man ihn gefragt habe, was er mit dem Tier vorhabe, sei seine Antwort gewesen: Der Bär solle sich um ein Fellowship bewerben, also um eine Stelle als Mitglied des Lehrkörpers.
Im selben Brief prahlt Byron mit „ewigen Partys“ auf seinen Zimmern, mit Jockeys, Spielern, Boxern, Autoren, Pfarrern und Dichtern als Gästen. Der Bär war also in bester Gesellschaft.
Vom College aufs Landgut
Nach der Zeit in Cambridge nahm Byron den Bären laut dem Wordsworth Trust mit nach Newstead Abbey, dem Stammsitz seiner Familie. Dort streifte er zusammen mit einem zahmen Wolf über das Gelände.
Überhaupt hatte Byron ein Faible für Tiere. Zu seinem Haushalt gehörten im Lauf der Jahre unter anderem ein Fuchs, ein Papagei, ein Krokodil, ein Honigdachs, drei Gänse, ein Reiher und eine Ziege mit gebrochenem Bein.
Als Percy Shelley Byron 1821 in Ravenna besuchte, notierte er zehn Pferde, acht riesige Hunde, drei Affen, fünf Katzen, einen Adler, eine Krähe und einen Falken. Alle außer den Pferden liefen frei durchs Haus.
Hausordnungen lesen kann jeder. Byron hat sie gelesen, um die Lücke zu finden, durch die ein ganzer Bär passt.