Wie findest du diesen Fakt?
Viele haben sie im Biobuch gesehen: eine Zunge mit bunten Feldern. Süß an der Spitze, salzig und sauer an den Seiten, bitter ganz hinten. Probier es aus, und du merkst schnell, dass sie nicht stimmt.
Eine deutsche Studie von 1901
Alles beginnt mit dem deutschen Forscher David P. Hänig. 1901 ließ er Freiwillige an verschiedenen Stellen der Zunge die vier damals bekannten Grundgeschmäcker testen und fragte, wie stark sie diese spürten. Sein Ergebnis: Manche Bereiche sind für manche Geschmäcker ein kleines bisschen empfindlicher.
Ein kleines bisschen. Nicht ausschließlich.
Die Karte von 1942
1942 griff der Harvard-Psychologe Edwin Boring Hänigs Daten auf. Er rechnete sie in Zahlen um und zeichnete sie so, dass Bereiche mit etwas geringerer Empfindlichkeit aussahen, als würden sie gar nichts schmecken. Aus „etwas weniger“ wurde „gar nicht“, und fertig war die Zungenkarte, die Generationen von Schulkindern auswendig lernten.
1974 prüfte die Forscherin Virginia Collings das Ganze noch einmal. Die Unterschiede zwischen den Zonen waren klein und spielten praktisch keine Rolle.
Heute ist klar: Die ganze Zunge kann alle Grundgeschmäcker mehr oder weniger gleich gut wahrnehmen. Geschmacksrezeptoren sitzen sogar am Gaumensegel und am Kehldeckel.
Bonusfakt: Auf der alten Karte fehlt ein Geschmack komplett. Umami, der herzhafte Geschmack, den man etwa von Brühe kennt, wurde weder von Hänig noch von Boring getestet.
Ein einzelner Geschmacksknospen-Typ für jede Zone wäre auch ziemlich unpraktisch. Laut „Live Science“ enthält jede Geschmacksknospe 50 bis 100 Rezeptoren für jeden Geschmack.
Die Zungenkarte war also eine Grafik, die mehr behauptet hat, als ihre Daten hergaben. Kommt in den besten Schulbüchern vor.