Und ja, das stimmt wirklich.

Mythen & Irrtümer
WTF?!
Mythen & Irrtümer Fakt #243

Die Zungenkarte aus dem Biounterricht ist ein Missverständnis von 1942

Die Zunge schmeckt alle Grundgeschmäcker fast überall. Die bekannte Karte mit Geschmackszonen entstand, weil ein Harvard-Psychologe 1942 eine deutsche Studie von 1901 überzeichnet hat.

23. Oktober 2026 · 1 Min. Lesezeit · 2 Quellen

Erst raten, dann lesen

Welche Zahl gehört in die Lücke?

Die Zungenkarte aus dem Biounterricht ist ein Missverständnis von ___

Dein Urteil

Wie findest du diesen Fakt?

Viele haben sie im Biobuch gesehen: eine Zunge mit bunten Feldern. Süß an der Spitze, salzig und sauer an den Seiten, bitter ganz hinten. Probier es aus, und du merkst schnell, dass sie nicht stimmt.

Eine deutsche Studie von 1901

Alles beginnt mit dem deutschen Forscher David P. Hänig. 1901 ließ er Freiwillige an verschiedenen Stellen der Zunge die vier damals bekannten Grundgeschmäcker testen und fragte, wie stark sie diese spürten. Sein Ergebnis: Manche Bereiche sind für manche Geschmäcker ein kleines bisschen empfindlicher.

Ein kleines bisschen. Nicht ausschließlich.

Die Karte von 1942

1942 griff der Harvard-Psychologe Edwin Boring Hänigs Daten auf. Er rechnete sie in Zahlen um und zeichnete sie so, dass Bereiche mit etwas geringerer Empfindlichkeit aussahen, als würden sie gar nichts schmecken. Aus „etwas weniger“ wurde „gar nicht“, und fertig war die Zungenkarte, die Generationen von Schulkindern auswendig lernten.

1974 prüfte die Forscherin Virginia Collings das Ganze noch einmal. Die Unterschiede zwischen den Zonen waren klein und spielten praktisch keine Rolle.

Heute ist klar: Die ganze Zunge kann alle Grundgeschmäcker mehr oder weniger gleich gut wahrnehmen. Geschmacksrezeptoren sitzen sogar am Gaumensegel und am Kehldeckel.

Bonusfakt: Auf der alten Karte fehlt ein Geschmack komplett. Umami, der herzhafte Geschmack, den man etwa von Brühe kennt, wurde weder von Hänig noch von Boring getestet.

Ein einzelner Geschmacksknospen-Typ für jede Zone wäre auch ziemlich unpraktisch. Laut „Live Science“ enthält jede Geschmacksknospe 50 bis 100 Rezeptoren für jeden Geschmack.

Die Zungenkarte war also eine Grafik, die mehr behauptet hat, als ihre Daten hergaben. Kommt in den besten Schulbüchern vor.

🎁 Noch kein Geschenk? Zum Geschenkfinder

Die Beweise

  1. 1Live Science: The Tongue Map: Tasteless Myth Debunked
  2. 2ScienceAlert: How a Mistranslation Made You Think Your Tongue Had ‘Taste Zones’

Wie WTF ist das?

Zieh den Regler und sag uns, wie sehr dich der Fakt umhaut.

5

🎃 Der goldene Kürbis! Hier ist dein geheimer Halloween-Fakt:

Die ersten Kürbislaternen waren Rüben. In Irland und anderen keltischen Gegenden schnitzten Menschen im 19. und frühen 20. Jahrhundert Fratzen in Rüben, manchmal auch in Kartoffeln oder Rote Bete, und stellten eine Kerze hinein. Das sollte den ruhelosen Geist „Stingy Jack“ fernhalten, der weder in den Himmel noch in die Hölle durfte. Im irischen Nationalmuseum in County Mayo liegt bis heute der Gipsabguss einer geschnitzten Rübe aus Donegal mit einem „verkniffenen, wütenden Gesicht“.

Quelle: Smithsonian Magazine